Sonntag, 4. November 2012

Ein Schritt vor, ein Sprung zurück

Um noch einmal die Analogie des letzten Blogpost aufzugreifen. Der Stoff gestern war kompletter Mist. Offenbar handelte es sich um Backpulver, denn high wurde man davon nicht.

Zurück in die reale Welt. Das war ein sehr schlechtes Spiel gestern. Sehr sehr schlecht. Auch von Uniteds Seite, aber immer noch kein Vergleich zu dem Auftritt den sich die Gunners geleistet haben. Dabei hat der Kanonier alles versucht, um den Tag zu retten. Die selbe Adjustierung wie am Dienstag gegen Reading, also kein Arsenal Schal, kein Trikot, nur eine Haube mit Arsenal Logo. Den Göttern wurden vor dem Spiel drei irische Austern und ein Game Pie (Wildpastete, keine Spielpastete) geopfert. Offenbar sind die Fußballgötter keine Gourmets, den das gebotene hätte nach einem Kaugummi aus dem Automaten und einem ranzigen Butterbrot nicht schlechter ausfallen können.

Die Gunners starteten gleich so, wie es niemand wollte aber alle erwartet haben. Ballverlust mit Mittelfeld, Angriff von United über die rechte Seite, kaum Widerstand durch Santos der wieder einmal auf sich gestellt war, Flanke zur Mitte, Vermaelen trifft den Ball nicht richtig (Zeit hatte er genug), der Ball fällt dem niederländischen Söldner vor die Füße und drin ist er. Der Ball, nicht der Söldner. Und damit war das Spiel auch schon gelaufen. Arsenal ist das Team mit den wenigsten Gegentoren in der Premier League (8), davon sind aber 5 aus Fehlern wie dem von Vermaelen entstanden (Statistik von @Orbino). Nur Liverpool hat mehr Tore nach Fehlern erhalten. Obwohl United auch nicht wirklich gut spielte, kamen sie doch zu mehr Chancen, vergaben diese aber teilweise kläglich, unter anderem einen Elfmeter. Der große Unterschied war offenbar der Einsatz. United fing mehr Bälle ab und tackelte häufiger und erfolgreicher. Was in diesem Link auch herauskommt, leider nicht ganz überraschend, ist die Tatsache, dass der niederländische Söldner alleine bessere Zahlen hat als unsere ganze Sturmreihe zusammen. Dazu hat er mit Rooney einen Partner, der auch defensiv enorm arbeitet. Nach Zonal Marking einer der Hauptgründe für den Sieg, war Rooney's Manndeckung gegen Arteta. 
Dazu kam dann noch eine Fehleinschätzung von Wenger. Während Ferguson den vorbelasteten und bereits ein weiteres Mal verwarnten Cleverley vom Feld nahm, blieb Wilshere, mit den selben Voraussetzungen, auf dem Feld. Und kassierte prompt seine zweite Gelbe (verdient). Das war der endgültige Schlusspunkt unter Arsenals Arbeitstag. Manchester führte inzwischen 2:0 (Manone hat großartig gehalten, nachdem der Söldner alleine vor ihm aufgetaucht ist. Der darauf folgende Eckball war dann drinnen), Arsenal war nur mehr zu 10 und hatte schon mit 11 Spielern nicht den Eindruck gemacht, als ginge da noch was. Die eine oder andere Chance war da, aber vor allem Giroud war nicht in der Lage ein Tor zu machen. Wieder einmal. United hingegen kam immer wieder zu guten Chancen und so war der Anschlusstreffer durch Cazorla in der allerletzten Sekunde mehr als schmeichelhaft (sehr schönes Tor allerdings). Die Gunners hätten schon 0:4 hinten liegen können und wären noch gut bedient gewesen, so sieht das Ergebnis mit 1:2 zu gut aus. Und wir haben immer noch die beste Abwehr der Liga oder zumindest die mit den wenigsten Gegentoren. Aber das täuscht wohl über die Tatsache hinweg, dass wir wieder einmal auf die harte Tour erfahren mussten, dass uns der Titel nichts angeht. Obwohl es nach wie vor nur 9 Punkte Rückstand auf Platz 1 sind. Aber wie sollen wir mit solchen Leistungen näher an die Spitze heran kommen. Und wir sind gestern nicht von einer großartigen Mannschaft zerlegt worden. Auch Manchester spielte nur durchschnittlich.

Unsere Gegner um das wahre Saisonziel, den 3. oder 4. Platz, haben jedenfalls alle nicht gewonnen, Sp*rs sogar daheim gegen Wigan verloren. Somit hat uns die unterirdische Leistung von gestern nicht zu viel Terrain gekostet. Es könnten noch West Bromwich und Newcastle an uns vorbeiziehen, wenn nicht bleiben wir 6.
 
Interessant wird es im Jänner, wenn unsere Position in der Liga so bleibt. Der treue Leser weiß, dass der Kanonier kein Freund der großen Einkaufstour ist, aber die eine oder andere Adaption wird wohl notwendig werden. Fangen wir dem einfachsten an. Diaby ist wieder einmal länger verletzt, das trifft uns natürlich völlig unvorhergesehen. Jedenfalls brauchen wir hier einen Ersatz. Möglich, dass Wenger die jungen Wilden wie Frimpong und Gnabry oder Eisfeld oder die weniger Wilden wie Coquelin als gut genug ansieht, aber wenn Arsenal höher hinaus will, wird das wohl nicht reichen. Im Angriff brauchen wir einen weiteren Mittelstürmer. Ich bin weit davon entfernt, Giroud abzuschreiben, das wäre auch dämlich. Aber die Freude war am größten, als wir noch geglaubt haben, Giroud und Podolski kommen als Ergänzungen für, eh schon wissen wen. Als der Söldner uns verließ, war die Freude dann schon etwas gedämpft und jetzt wissen wir auch warum. Dann sollte man sich bei Arsenal vielleicht doch langsam Gedanken machen, ob wir nicht einen zweiten Torhüter engagieren, der Szczesny ordentlich unter Druck setzt und gleichzeitig ein Rückhalt sein kann, wenn der Pole (wieder einmal) ausfällt. Was die Defensive betrifft, bin ich etwas ratlos. Die derzeitige Form von Vermaelen und Koscielny nähert sich langsamen Schrittes dem Untragbaren. Ich glaube allerdings nicht, dass da etwas passiert. Auch Santos ist zur Zeit mehr Schwachpunkt als Stütze, aber auch hier werden wir wohl nicht tätig werden.
Eine Änderung kann dann aber doch noch notwendig werden. Wenn Walcott geht und davon geht der Kanonier nach wie vor aus, dann muss er ersetzt werden. Ein heißer Kandidat ist dieser junge Mann. Wilfried Zaha. Er fällt komplett in Wengers Beuteschema (jung, frankophon, hoch talentiert, Flügelspieler), nur scheint er nicht häufig verletzt gewesen zu sein. Aber auch hier sollte man sich keinen Illusionen hingeben. Kurzfristig wäre das ein Rückschritt, auch wenn ich nicht der Meinung bin, dass Walcott Wert ist was er verlangt.

Was auch immer passiert, die Abstände zischen Hochs und Tiefs werden immer kürzer, beziehungsweise die Tiefs tiefer. Die Reaktion der der Fans werden dementsprechend heftiger, auch die "Schwarzen Schals" marschieren wieder. Der Kanonier ist jedenfalls kein Fan von Oppositionsbewegungen innerhalb der Fans, aber letzten Endes muss man auch Verständnis haben, dass die Fans, die viel Geld zahlen um Arsenal zu sehen, schwer ertragen können, wenn der Weg offensichtlich nicht aufwärts führt, sondern bestenfalls seitwärts. Und im Moment sieht man auf der Seite einen Abgrund nahen. 

Auswärts gegen Schalke, dann daheim gegen Fulham und schließlich gegen Deppenham. Zeit sich zu rehabilitieren oder Arsenal kommt endlich in der Krise an, in der wir uns laut den Medien schon seit Jahren befinden.

In diesem Sinne eine erfolgreiche Arbeitswoche und hoffentlich auf bald, dann mit besseren Nachrichten.

Up the Arsenal!
           

Mittwoch, 31. Oktober 2012

Ein Wahnsinnstrip

Zum Glück ist der Kanonier eine faule Sau und wollte gestern keinen Blog schreiben. Denn was sich am Abend in einer kleinen Stadt im Themsetal abgespielt hat, war eines der irrsten Fußballspiele aller Zeiten.

Fußballfan sein hat einiges mit einer Drogensucht gemeinsam. Man wartet ständig auf das nächste Spiel der eigenen Mannschaft (ist gleich der nächste Schuss), dieses versetzt einem einen Kick, je nach Qualität des Stoffs ist der Trip mal besser und nachhaltiger und mal schlechter. Manchmal ist das Verlangen so groß, dass man es mit den Spielen anderer Teams probiert, was am Wochenende mit dem Merseyside Derby und dem Spiel Manchester gegen Chelsea extrem lohnend war, aber zu viele Spiele schlagen sich mangels Qualität negativ aufs Gemüt. Man will den richtigen Stoff, in unserem Fall The Arsenal. Und dann gibt es Tage, da bekommt man was man sucht in seiner reinsten Form und erlebt einen Wahnsinnstrip! (Da hört die Analogie dann auf, den goldenen Schuss kann man sich mit Fußball zum Glück nicht setzen).

Gestern war einer dieser Tage. Nach einem Besuch bei einer Freundin der Kanonierin, wo wir einen 12 Wochen alten Kater bestaunt haben (extrem süß!), war ich nach Sekt und Brötchen eigentlich reif für das Bett, noch dazu wo heute früh um 6:30 Tagwache war und eine zweistündige Autofahrt bevorstand. Trotzdem schleppte ich mich ins Pub, um mir den Capital One Cup Kracher Arsenal gegen Reading anzusehen. Die Erwartungen waren also niedrig (gute Voraussetzungen für einen Wahnsinnstrip). Arsenal lief mit einem verhältnismäßig starken Team auf. Die meisten hatten schon in der ersten Mannschaft gespielt, einige davon sogar schon öfter. Also keine große Sache und mit einem frisch gezapften Ale in der Hand stand ich in meinem Stamm Pub, das nur spärlich gefüllt war. Die restlichen Gooner waren in der Stadt verteilt und schauten in anderen Pubs. Dann nahm das Unglück seinen Lauf. Die Verteidigung stellte sich an, als hätte sie den Sinn des Spiels nicht ganz verstanden und Reading spielte munter drauf los, schoss aufs Tor und traf und traf und traf und verdammt noch einmal traf. 0:4. Und nicht einmal unverdient. Was soll's, wer braucht schon den Ligapokal. In der Zwischenzeit meldete sich Le Bohemien und SMSste, er ist auf dem Heimweg und schaut noch vorbei. Alleine lässt sich so ein Spiel auch schwer ertragen. Kurz darauf hatte Arshavin einen seiner raren lichten Momente, spielte einen Zuckerpass auf Walcott, der auf und davon, Chip über den Goalie und 1:4. Na immerhin. Bemerkungen über ein Comeback (Haha!)  machten die Runde, dann folgte der Pausenpfiff. 
Le Bohemien kam an und wir scherzten, dass eine Wette auf Arsenal gute Quoten bringen müsste. Im Zeitalter der mobilen Kommunikation kein Problem, Handy raus, wir setzten € 10,-- auf ein Unentschieden nach 90 Minuten bei einer Quote von 28:1. Anpfiff zur zweiten Halbzeit.

Arsenal wirkte stark verbessert, Reading war aber auch deutlich passiver. Die Hoffnung steigt. Tore fallen aber keine, die These lautete, wenn wir vor der 60igsten treffen, dann könnte das noch was werden. Die Hoffnung sinkt. 64. Minute, der eingewechselte Giroud trifft zum 2:4. Klasse Tor, die These wird adaptiert nach dem Motto: "Wir wollen das noch einmal gelten lassen". Leichter Anstieg der Hoffnung. Die Zeit verrinnt. Die Hoffnung beginnt wieder zu sinken, zunächst langsam, dann schneller. Wer braucht schon den depperten Liga Pokal. 89. Minute Koscielny trifft, nach einem Eigentor in der ersten Halbzeit, diesmal ins richtige Tor. Aber eigentlich ist das Spiel schon aus und überhaupt, aber verdammt, die Hoffnung klammert sich in den Eingeweiden fest. Die Nachspielzeit beginnt und wir vergeben eine Riesen Chance. Das war’s jetzt aber wirklich. Kann die Hoffnung sich jetzt bitte schleichen. Das Ende der Nachspielzeit läuft ab. Na gut, das war’s jetzt aber endgültig. Aber der Schiedsrichter pfeift nicht ab. Arsenal näher sich mit Einwürfen dem Strafraum und dann, plötzlich ist der Ball im Strafraum, Walcott zieht ab, der Ball scheint über der Linie, nein doch nicht, Jenkinson schießt, jetzt ist der Ball über der Linie, Arsenal Spieler jubeln, die Regie schneidet auf den Linienrichter. Doch kein Tor? Die Arsenal Spieler wirken kurz beunruhigt. Das darf doch nicht wahr sein. Aber das Tor zählt. Ich erlaube mir jetzt auch zu jubeln. Offenbar wurde nur diskutiert wer der Torschütze war (heute wurde Walcott das Tor zugeschrieben, der ist damit unser Toptorschütze in allen Bewerben). Es setzt der Kick ein. Das unbeschreibliche Gefühl eines Tores in allerletzter Sekunde, ein Wahnsinnstrip. Und reich sind wir auch noch. Abpfiff, Verlängerung.

Ja im Carling Cup gibt es eine Verlängerung, Giroud und Coquelin wussten das nicht und mussten ihre Trikots wieder von den Auswärtsfans zurückfordern. Anpfiff. Die Hoffnung sitzt fest im Sattel, der Termin für die Tagwache auch, aber ohne Bier geht es nicht. Zumindest noch ein kleines (eine weiteres großes Ale habe ich unterschlagen). Die Verlängerung dümpelt dahin, bis Chamakh seine Verkleidung abwirft und der Torjäger zum Vorschein kommt, den wir von Bordeaux gekauft haben. Ein strammer Schuss, Arsenal führt, die Hoffnung übergibt an die Gewissheit. Zweite Hälfte der Verlängerung, Reading gleicht in der 115. Minute aus. Die Gewissheit entschwindet und die Hoffnung möchte wieder auf ihren Platz wird aber von der Enttäuschung, die in der Ecke gelauert hat, festgehalten. Geh bitte, bloß kein Elfmeterschießen. Die Nerven sind schon aufgebraucht. Wieder beginnt eine Nachspielzeit, der Ball kommt in den Strafraum, prallt an irgendwem ab, kommt vor Walcott zu liegen, der schießt und trifft. Wahnsinn! Hoffnung und Gewissheit teilen sich jetzt einen Sitzplatz, Arsenal versucht hinten noch ein bisschen zu schwimmen, dann aber ein Konter, Chamakh alleine auf's Tor zu, ein Heber und jetzt ist alles aus. 7:5. Kopuliere mit meinem großen hohen Hut, wie ein englischer Freund auf Facebook bemerken zu müssen meinte (was auch immer das heißen soll).

Le Bohemien und ich warten noch auf die Highlights und das Interview mit Wenger. Nur noch 7 Stunden bis zur Tagwache (der Kanonier braucht viel Schlaf) und der Cocktail aus Alkohol (Sekt und Bier) und Adrenalin (da wurden die Vorräte für ein ganzes Monat verschüttet) wird ein schnelles Einschlafen zu verhindern wissen. Auf dem gemeinsamen Heimweg, kehren wir dann noch in eines der urigsten Cafés der Stadt ein und genehmigen uns eine Marille. Also die gebrannte Version, versteht sich. Hinter der Budel (Theke, für die germanischen Leser) bereitet das Original von einem Wirten Toasts zu. Kratzt das Schwarze herunter und schlichtet sie in ein Jausensackerl (Brotzeittüte aus Plastik). Warum? Keine Ahnung, die Nachfrage konnte meine Begleiter leider nicht mit dem gebotenen Ernst stellen. Dann ging es heim.

Good to be a Gooner!

PS: Heute früh war es ganz OK, eine Autobahnausfahrt verpasst, sonst keine Vorkommnisse.
       

Donnerstag, 25. Oktober 2012

Aller guten Dinge sind drei?

Na hoffentlich nicht. Sonst erwartet uns noch so eine Leistung am Samstag gegen QPR.

Der Kanonier verbrachte den Abend gestern mit einigen Vertretern einer großen europäischen Versicherung, einer davon ein Arsenal Fan, in einer amerikanischen Sportbar. Einmal abgesehen davon, dass Arsenal nicht als der Top Akt angesehen wurde und das Spiel daher ohne Ton lief, was den unangenehmen Nebeneffekt hat, dass man dem Geschehen schwerer folgen kann, war es ein netter Abend. Na ja, wenn man zusätzlich noch von der Leistung der Gunners absieht. Offenbar hielt man den Ansatz vom letzten Samstag für gut und probierte das Gleiche noch einmal, diesmal gegen einen stärkeren Gegner. Mit dem Effekt, dass eine 0:1 Niederlage knapp verhindert werden konnte und Arsenal 0:2 gegen Schalke 04 verlor (rein namenstechnisch hätte es also durchaus noch schlimmer kommen können).

Es ist schwer Worte zu finden, für das nichtstattfinden einer Mannschaft. Andere haben es versucht und geschafft, aber eher im Sinne einer Beschreibung als einer Erklärung. Mir fällt es diesmal noch schwerer etwas Konkretes zu sagen oder einzelne Spieler zu kritisieren, denn die Konzentration wurde durch den Kommentar des Spiels Dortmund gegen Real und angeregte Gespräche am Tisch leicht gestört. Eines ist aber klar, wenn wir so weitermachen, dann stehen uns üble Wochen bevor. Nicht nur auf dem Platz. Schon hört man Meldungen (Tweets), das es im Stadion zu Streitereien unter den Fans kam. Die Generalversammlung heute soll auch eher unharmonisch verlaufen sein. Wie schon in meinem letzten Post erwähnt, ist die Stimmung unter den Fans dermaßen angespannt, dass zwei Spiele wie die gegen Norwich und Schalke reichen, um all die Zweifel und den Ärger der letzten Monate wieder zum Vorschein zu bringen. Die Rufe nach der Entlassung des Managers und des Vorstandes sind wieder zu hören.

Der Kanonier hält davon nichts. Ein gut geführter Klub entlässt seinen Trainer nicht unter der Saison. Außerdem drängen sich die Kandidaten nicht gerade auf und ich halte Wenger nach wie vor für einen der Besten. Ein Wechsel müsste jedenfalls von langer Hand vorbereitet und entsprechend geplant werden. Der Vorstand ist den Shareholdern verantwortlich und da täuscht der Plural über die Tatsache hinweg, dass es de facto einen Shareholder gibt, der sagt was passiert, weil er die entsprechende Mehrheit hat. Punkt! Das kann einem gefallen oder nicht oder auch wurscht sein, aber das werden die Fans nicht ändern. Nicht durch Gesänge, nicht durch Transparente oder durch Schweigemärsche oder das tragen spezieller Schals. In Liverpool und Manchester kann man sehen wohin das führt, im besten Fall richtet es keinen Schaden an, wie bei United, oder ein Klub geht, getrieben von seinen Fans, den Weg alles irdischen, wie das meiner ganz persönlichen Meinung nach gerade in Liverpool der Fall ist. 
Wir können als Fans eigentlich nur das Produkt meiden *in Deckung gehen wegen fauler Eier und Paradeisern (Ostösterreichisch für Tomaten)* und keine Tickets oder Merchandising kaufen. Damit schadet man aber gleichzeitig dem Klub. Was also tun. Schweigend hinnehmen, wie der Klub so weiter geführt wird. Im Fall von Arsenal einmal kein schlechter Plan, den so schlecht wird der Klub ja nicht geführt. Man sollte zumindest, wie auch schon öfter erwähnt, bis 2014 warten, ob wir  uns im wirtschaftlichen Bereich (Ausrüster und Brustsponsor) den Maßstäben eines Top Klub nähern können. Am Horizont ziehen drei Streifen auf, zuletzt untermauert durch die Verpflichtung von Simon Lilley als Leiter der Abteilung für die Arsenal Shops. Als Leser der Bücher "Das Milliardenspiel" und "Die Spielmacher" hält sich meine Begeisterung in Grenzen, in das Umfeld der Herzogenauracher Mafia zu kommen, aber letzten Endes würde Arsenal "nur" einen Ausrüstervertrag abschließen und wenn er ordentlich bezahlt wird, warum nicht. Viel eigenwilliger kann das Trikotdesign auch nicht mehr werden. Obwohl drei Streifen auf der Schulter eines Arsenal Heimtrikots, na ja. 
So Leistungen wie gestern oder in Norwich sind jedenfalls zweimal passiert und nicht der Durchschnitt des Gebotenen der bisherigen Saison. Also gehen wir einmal davon aus, dass es auch mittelfristig wieder besser wird. Das Team hat ja in den Wochen zuvor auch gute bis ausgezeichnete Leistungen gebracht. Eventuell werden wir uns im Jänner auch noch verstärken (müssen). 
In diesem Sinne bewahren wir Ruhe und blicken wir erwartungsvoll auf das Spiel gegen QPR am Samstag. Es kann ja nicht mehr schlimmer kommen…

Sonntag, 21. Oktober 2012

Das war jetzt nicht so der Hammer...

Der Tag hatte so gut begonnen. Whiskey Verkostung am Vormittag, danach ein leichtes Mittagessen (Zunge mit Erbsenpüree) am Nachmittag dann einen neuen Supermarkt erforscht und dabei London Pride (2 Sorten) und Tyrell Crisps entdeckt und schließlich noch ein bisschen Fußball geschaut, zum Aufwärmen für den Abend sozusagen, und Zeuge geworden, wie Deppenham in dieser Saison die Reifen erst gar nicht montiert hat (Mir ist klar, dass die in der Tabelle vor uns sind!), beziehungsweise unseren nächsten Gegner in der Champions League beim Revierderby begutachtet (Stand Samstag 17:20: Schalke gewinnt zwar 2:1 gegen Dortmund, der Kanonier sieht aber keinen Anlass zur Beunruhigung). Nach einer kleinen Jause ging es dann gestärkt und beschwingt (der Whiskey von der früh wirkte noch) Richtung Pub, um dieses Meisterwerk eines Tages von einem Arsenal Sieg krönen zu lassen. Und was passiert? Die Gunners setzen einen übelriechenden Haufen auf das Meisterwerk und schicken die Stimmung in den Keller.

Wie der Leser weiß, ist der Kanonier nicht besonders gut darin, ein Spiel im Detail zu analysieren, daher wieder die üblichen Links zu denen die es besser können (Bericht und Zahlen). Einige Gedanken möchte ich aber doch teilen.
Gestern war eines der ersten Spiele seit langem, in dem Arsenal über die kompletten 90 Minuten so gut wie keine Ideen hatte. Wieder einmal hatte das Team um die 70% Ballbesitz, aber der gegnerische Torhüter musste sich kaum einmal auf den Boden werfen oder andere Verrenkungen machen, um unsere, nennen wir es einmal Schüsse, aufzuhalten. Auch unsere Geheimwaffe, die Eckbälle, blieb wieder ein ganzes Spiel geheim. Das einzige was Norwich halbwegs erwähnenswertes tat, war die Abwehr über die ganze Breite des Feldes und relativ weit nach Vorne zu staffeln, wodurch ein großer Raum zwischen unseren Spielern und dem Strafraum entstand, für dessen Überbrückung oder Penetrierung Arsenal kein wirkliches Rezept fand. Das alles hätte vermutlich zu einem öden 0:0 geführt, wenn nicht Manone die Mutter aller Abpraller produziert hätte, um Grant Holt das obligatorische Tor und damit Norwich den ersten(!) Saisonsieg zu bescheren.

Jetzt kann jedes Team einmal so einen Tag haben. Bei Arsenal allerdings sind die Konsequenzen, in Zeiten wie diesen, etwas schwerwiegender. Zum einen bestätigt sich auch meine eigene Diagnose, die ich in der Euphorie schon revidiert habe, dass Arsenal (auch) dieses Jahr kein Titelkandidat ist. In den Topspielen wirken wir zwar nicht überfordert, aber unter dem Strich gab es nur 1 von 6 Punkten und unsere Schwächen gegen die nicht so Top Teams ist auch noch da. Wir sind 9. in der Tabelle mit 10 Punkten Rückstand auf Chelsea (und 2 auf Deppenham). Ein Sieg hätte uns auf den 4. Rang gebracht. Das klingt noch nicht so dramatisch, aber Opta hat gestern bestätigt, dass es sich um den viertschlechtesten Start in die Premier League handelt für die Gunners. Eine weitere Schlussfolgerung aus dem gestrigen Spiel ist, dass wir ein Torhüterproblem haben. Der Kanonier hat sich lange gewehrt, aber offenbar brauchen wir doch eine stärkere Nummer 2, auch im Hinblick darauf, dass Szczesny mehr gefordert wird, wenn er wieder fit ist. Ich halte die Situation bei den Sp*rs mit Lloris und Friedel zwar für suboptimal, aber immer noch besser als unsere. Die Balance zwischen gesundem Wettbewerb und schlechter Stimmung im Kader ist schwierig zu erreichen, aber das Risiko muss ein Klub mit Ambitionen wohl nehmen. Und als Dritter Punkt zeichnet sich auch wieder dünne Luft im Kader ab. Wilshere ist offenbar noch nicht fit genug zu spielen, Diaby gibt nach wie vor "Die Nacht der lebenden Toten" und auch Rosicky befindet sich in dem "2-3 Wochen entfernt" Fegefeuer, wie das arseblog des öfteren so treffen analysiert hat. Die Einwechslung von Gnabry gestern war für mich eine Enttäuschung aus der Rubrik:"Das ist alles". Und auch Arshavin hat wieder detailliert gezeigt, warum er nicht mehr erste Wahl ist, nämlich nichts.

Diesmal verzichte ich auf positives. Die Niederlage hat den dünnen Verputz von den Mauern des Arsenals bröckeln lassen und die alten Risse zum Vorschein gebracht. Wenn sich in den nächsten Wochen kein klarer Aufwärtstrend zeigt, dann fürchte wird eine Generalsanierung wieder lauter diskutiert werden (Trainer, Ausgaben,usw...) und dem Kanonier fehlen zunehmend die Argumente, sich den Miesepetern unter den Fans argumentativ entgegen zuwerfen.

Ich habe den gestrigen Tag übrigens mit Rambo II ausklingen lassen. Ein wahrlich schlechter Film. Aber leider bessere Unterhaltung als Arsenal davor. In diesem Sinne einen schönen Sonntag und auf ein erfolgreiches Champions League Spiel gegen die Knappen (Stand gestern 20:20: Der Kanonier sieht doch einen Anlass zur Beunruhigung).

Up the Arsenal! 

Sonntag, 7. Oktober 2012

Das war der Hammer

Das Spiel der Gunners gegen die Hammers (daher der fürchterlich originelle Titel) war ein guter Überblick über die Verfasstheit von Arsenal im Moment. Im Grunde hatten wir die Kontrolle über das Spiel, die verbesserte Verteidigung ist aber immer noch in der Lage, den ersten Schuss auf unser Tor als solchen zu identifizieren und ihn dementsprechend passieren zu lassen. In der Offensive zeigten die Neuzugänge, welch Bereicherung sie sind und verwandelten den Rückstand in einen mehr oder weniger souveränen 3:1 Sieg.

Unter dem Strich bedeutet das, dass wir ein Team haben, das wieder zu tollem Fußball in der Lage ist, aber auch eines, dass gegen schwächere Gegner Punkte liegen lassen kann. Denn nach dem Gegentreffer und selbst nach dem Ausgleich war die Mannschaft nicht so selbstsicher und überzeugend, wie sie gemessen an ihrem Können sein sollte. Ähnliches galt schon nach den zwei Gegentoren gegen Chelski.

Die notwendigen Details zum Spiel findet der geneigte Leser hier: Match Report; Zahlen.

Zu einzelnen Spielern:

Giroud traf endlich! Gut gespielt hat er schon vorher und daher ist es eine Erleichterung, dass er jetzt auch in der Premier League sein Torkonto eröffnet hat. Und der Ausgleich vor der Pause war auch noch ein wichtiger Treffer. Jedenfalls hat er weniger lange für seinen ersten Treffer gebraucht als ein gewisser Thierry Henry (by @orbinho).

Walcott macht auf Torjäger! Nach dem enttäuschenden Auftritt gegen Chelski, wo er fast komplett unsichtbar blieb nach seiner Einwechslung, hatte er gestern wieder einen besseren Auftritt („a more consistent patch“ um in seiner Diktion zu bleiben). Vor allem sein Treffer zum 2:1 war ein Argument für seinen Wunsch, als Mittelstürmer zu spielen. Obwohl er auch bei diesem Treffer wieder auf seiner Position rechts außen spielte. Jedenfalls war der Abschluss exzellent, vor allem da der Torhüter den Winkel sehr eng machte. £ 100.000,-- pro Woche ist er trotzdem nicht wert und wenn er wirklich bleiben will, soll er einfach unterschreiben. Bis dahin darf es aber mehr davon sein.

Cazorla lässt es krachen! Der kleine Spanier hat uns ja schon viel Freude gemacht, aber der Treffer gestern war ganz großes Kino. Kunstvoll und trotzdem scharf und platziert. Den hätte ich mir noch hundert mal in der Wiederholung ansehen können. Ein würdiger Abschluss des besten Arsenal Spielers für einen wichtigen Sieg.

Podolski kann alles! Der Deutsche erstaunt mich wirklich. Ich habe ihn schon für eine gute Verpflichtung gehalten. Immerhin eine regelmäßiger Gast der deutschen Nationalmannschaft. Aber das Arbeitspensum des Kölners ist fast unbeschreiblich. Wieder ein Tor aufgelegt, immer gefährlich aber auch hinten immer zur Stelle um ein wichtiges Tackling anzubringen. Eine Verstärkung um wahrsten Sinne des Wortes.

Das drei von den vier hervorgehobenen Spielern Neuzugänge sind zeigt, dass Arsène Wenger es nicht verlernt hat. Das sieht man auch an den Auftritten von Jenkinson, der die Abwesenheit Sagna's vergessen macht oder von Gibbs auf der anderen Seite, der sich leider gestern verletzt hat.

Unter dem Strich können wir weiterhin positiv in die Zukunft blicken. Drei von Neun Pflichtpunkten haben wir. Wenn gegen Norwich und QPR die restlichen sechs folgen, dann sind wir auf Kurs und können uns der nächsten großen Herausforderung stellen. Manchester United.

Up the Arsenal und einen schönen Sonntag!
 

Donnerstag, 4. Oktober 2012

Das hätte so schön werden können

Blauer Himmel (das hätte uns schon ein Warnung sein sollen), Sonnenschein und fröhliche Arsenal Fans. Das Spiel gegen Chelsea hatte die Rahmenbedingungen für einen perfekten Fußballnachmittag. Aber es kam anders. Arsenal hat nicht schlecht gespielt aber irgendwie lief es nicht ganz so rund, wie in den Wochen zuvor und die beiden Gegentreffer (ungeschickt wie immer) haben der Mannschaft ordentlich zugesetzt. Auch wenn es taktische Ursachen für den Auftritt der Gunners gab, so konnte man doch deutlich sehen, dass die Mannschaft jeweils nach dem Rückstand Zeit gebraucht hat, um sich wieder zu fassen. Nach vorne kam dann zu wenig, beziehungsweise wurden die Chancen nicht genützt die sich boten. Wieder war kein Klasseunterschied gegen einen Titelkandidaten zu sehen (obwohl die Tatsache, dass Chelsea seine Chancen nutzte, bzw. diese erzwang eben doch ein Mehr an Klasse bedeutet) wieder hat Arsenal nicht gewonnen. Diesmal gab es nicht einmal einen Punkt.

Inzwischen hatten wir aber schon wieder ein Erfolgserlebnis. Das Spiel gestern konnte ich nicht sehen, die erste Halbzeit dürfte aber nicht so toll gewesen sein. Unter dem Strich scheinen wir aber verdient gewonnen zu haben. Details hier, dazu ein Artikel über den erstaunlich produktiven Gervinho. Als Tabellenführer können wir jedenfalls gegen Schalke schon alles klar machen, nachdem die Knappen gestern doch noch den Ausgleich gegen Montpellier kassiert haben. Da auch Dortmund nicht bis zum Schluss dicht halten konnte, scheint es ein Problem mit dem Ende der Schichten im Revier zu geben (Manchmal muss es einfach raus!). Wie auch immer, es geht schon wieder leicht aufwärts für die Gunners und in der Champions League sind wir damit auf Kurs.

Am Samstag müssen wir gegen West Ham ran. Sam Allardyce, für seine filigranen Teams bekannt, wird die Hammers entsprechend präpariert haben. Das wird also kein Spaziergang. Auf der anderen Seite muss ein Aufsteiger besiegt werden und ich glaube unser Team ist sowohl physisch als auch psychisch in der Lage eine etwas härtere Gangart zu wählen oder mit einer solchen zurechtzukommen. Gegen Stoke hatten wir schon viel weniger Problem als in den Jahren davor. Lediglich unserer Innenverteidiger sollten konzentrierter zu Werke gehen als bisher. Koscielny war nicht nur an beiden Chelsea Toren beteiligt, sondern leistet sich auch sonst Schnitzer die bestraft werden können (Ballverlust gegen Torres am Samstag beispielsweise). Und Vermaelen sollte seine Tacklings entweder präziser setzen oder in der Nähe des Strafraums bleiben lassen. Mit dem Elfer gegen Montpellier hat er 3 Tore gegen Arsenal eingeleitet. Für eine Verteidiger keine optimale Ausbeute. Vielleicht wird Mertesacker wieder fit, aber wenn nicht müssen die beiden eben ihre Leistung steigern und sich besser aufeinander abstimmen.
Jedenfalls wäre es sehr nett, wenn wir gegen West Ham, Norwich (beides auswärts) und QPR 9 Punkte holen, bevor wir den nächsten großen Brocken mit Manchester United auswärts haben. 

Zum Abschluss noch ein paar Impressionen (mit Links zu Details) aus London sowie ein Austellungstipp: Staging the World im British Museum.
Beim ältesten Inder der Stadt (bzw. UK)

London, jetzt auch mit Doppelmayer

Smart(y) Guards

Das Ale und sein kleiner Bruder der Cider

Die besten Pies der Stadt mit Mash und Liquer (naja) sowie jellied Eel
Straßenkünstler mit Gitarrist als Begleitung