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Mittwoch, 2. Januar 2013

Kein Feuerwerk zum Jahresauftakt

Ein gutes Jahr beginnt mit einem Arsenal Spiel! Allerdings nicht mit so einem. Unser Besuch in Southampton war zwar kein Desaster, aber ernüchternd. Was am 1. Jänner, nach einer durchzechten Silvesternacht, vielleicht gar nicht so schlecht ist. Aber die Gunners hatten offenbar alle selbst lebhafte Silvesterfeiern hinter sich, oder konnten wegen der Feuerwerke nicht schlafen. Jedenfalls war nach 10 Minuten die Luft draußen und von da an war es ein sehr mühsames, mit Fehlern durchsetztes Spiel. Ganz besonders schwer tat sich Sagna, der eine Reihe von Fehlern beging, eher untypisch für einen der Besten auf dieser Position. Einer dieser Fehler führte zum 1:0 für Southampton. Sagna war nicht der einzige der in diesem Fall dazu beitrug, dass die Abwehr von Arsenal eine lupenreine Slapsticknummer hinlegte. Wieder einmal. Der Ausgleich war dann ein bisschen glücklich, ein Eigentor, bei dem allerdings Koscielny frei vor dem Tor war und den Ball problemlos einschießen hätte können, hätte das nicht vorher der Verteidiger für ihn getan. Das Assist durch einen Freistoß kam übrigens von Walcott.

Womit wir wieder beim Thema GBP 100.000,-- pro Woche wären. Gestern tauchte unser Goldjunge zwar nicht ab, aber so eine richtige Verbindung zum Mittelfeld bestand halt auch nicht. Je tiefer die gegnerische Abwehrreihe steht, desto schwerer tut sich Theo, da er lieber den Ball hinter die Abwehr gelegt bekommt. Ein Topverdiener sollte etwas mehr Variabilität in seinem Spiel aufweisen können.

Ein weiteres Thema waren die Einwechslungen. Giroud war klar, einige hätten sich den Franzosen schon früher gewünscht. Aber dann kamen Gervinho und Ramsey. Wobei ich mit den beiden Spielern kein Problem habe, vor allem nicht mit Ramsey. Aber Retter sehen anders aus. Und Gervinho hat wieder ein paar Tricks gezeigt, die manchen Arsenal Fan hoffen lassen, dass er nach dem Afrika Cup gleich unten bleibt. Der Kader ist halt wirklich recht dünn. Gunnerblog hat dazu heute einen sehr aufschlussreichen Post geschrieben. Henry wird offenbar nicht kommen, also können wir uns Verstärkungen widmen, die langfristig etwas bringen.

Während Arsenal, schon zum zweiten Mal in dieser Saison, nur einen Schuss aufs gegnerische Tor abgegeben hat, hat Southampton ein Tor nicht gegeben bekommen, wegen eines minimalen Foulvergehens an Koscielny. So gesehen war selbst der Punkt glücklich, wir haben 2 Punkte auf Sp*rs verloren und damit die Chance verspielt auf dem 4. Platz zu bleiben (Nach Verlustpunkten! Gegen West Ham müssen wir noch ran. Kleine Ergänzung übrigens zur Absage dieses Spiels: Nicht der Streik alleine war das Problem, die Gemeinderäte von Hackney und Islington haben untersagt, innerhalb von 3 Meilen vom Stadion zu parken, damit war auch die Alternative Auto gestorben [Quelle: Freund auf Facebook]). 

Der Kanonier hat es schon öfter erwähnt, aber dieses Transferfenster kann, wenn wir uns doch nicht für die Champions League qualifizieren, sehr entscheidend werden. Es könnte das letzte Mal sein, für über ein Jahr, dass wir Spieler mit der Aussicht auf die Teilnahme an der Königsklasse locken können. Ansonsten müssen wir wie Liverpool am Wühltisch nach Schnäppchen jagen. An dieser Stelle wurde auch schon oft analysiert, was für Spieler wir jetzt brauchen. Trotzdem noch einmal ein kurzer Überblick.
Minimum: Ein Stürmer und ein Mittelfeldspieler (Alternative für Arteta wäre nett oder eine Art weniger verletzungsanfälliger Diaby).
Maximum: Wie oben, plus Ersatz für Chamakh , Arshavin und Diaby, eventuell Djourou (wenn er geht), Konkurrenz für Gervinho und Walcott, sowie ein Torhüter der Szczesny herausfordern kann.

Beim Maximum bin ich nicht der Meinung, dass wir die alle unbedingt benötigen, um uns für die Champions League zu qualifizieren. Aber sowohl die Spieler, die ich genannt habe, als zu ersetzend, als auch Talente wie Coquelin, Eisfeld oder Gnabry werden nicht oder sehr wenig eingesetzt (außer Verletzungen zwingen uns dazu). Das bedeutet Wenger riskiert die Erschöpfung von Stammkräften, vor allem unseres Mittelfelds. Daraus kann man eigentlich nur schlussfolgern, dass er den anderen Spielern nicht vertraut. Daher sollte er Spieler holen, denen er vertraut. Denn Arteta und Cazorla, vor allen anderen, werden eine ganze Saison mit dieser Belastung kaum unbeschadet überstehen.

Alles in allem, kein sehr positiver Start ins neue Jahr. Die nächsten Gegner in der Liga sind Man Shity und Chelski, davor noch Swansea im FA Cup. Danach West Ham und Liverpool und eventuell eine weitere FA Cup Runde. Das ist ein dichtes und schwieriges Programm und mit Leistungen wie der gestrigen werden wir nicht allzu viele Punkte holen.

Trotzdem: Ein frohes und gesundes neues Jahr! Come on you Reds!
   

Sonntag, 2. Dezember 2012

Endlich angekommen!

Hilfe!(C) Arseblog

Und zwar in der Krise, in die uns Journalisten seit Jahren schreiben und die weisen Männer unter den Fans uns seit Monaten prophezeien. So sehr der Kanonier an dieser Stelle oder in den sozialen Medien versucht hat, dazu einen Kontrapunkt zu setzten, so schwierig ist das nach einem Spiel wie dem gestrigen. Dieser Schwan hat uns einen großen Haufen auf dem Rasen des Emirates Stadium hinterlassen. Und natürlich geht es nicht um eine Heimniederlage, es geht um die Art und Weise ihres Zustandekommen und den Kontext der vergangenen Wochen. 

Freitag Abend habe ich mir überlegt, ob wir uns vielleicht in einer langsamen Aufwärtsbewegung befinden, mit dem Spiel gegen Villa als Ausreißer und dem Spiel gegen Everton als kleinen Schritt nach vorne. Das Programm der nächsten Wochen hätte einen langen Lauf an Siegen erwarten lassen können und wir hätten mit erhobenem Haupt im Jänner den Kader für den Hauptangriff im Frühjahr präparieren können. Aber gestern um ca. 17:50 MEZ wahr klar, der Trend geht nach unten, Villa war die Norm und Everton der Ausreißer.

Worauf es in vielen Blogs heute hinausläuft (arseblog, gunnerblog, arse2mouse) ist die Frage nach der Position unseres Trainers. Um dem Kanonendonner gerecht zu werden, möchte ich ein Bild des Krieges zeichnen. Unser Feldherr stand bisher auf seinem Feldherrenhügel und zeigte sich unbeeindruckt von den Granaten die in der Umgebung einschlugen, gestern aber ist ein Geschoss so nahe neben im explodiert, dass er ins Wanken kam und nun mit einem Läuten in den Ohren und mit Erde und Pulverdampf auf der Uniform nicht mehr so sicher steht. Der Kanonier (der nicht der Schütze war!) ist nach wie vor der festen Überzeugung, dass die Abramovich Befreiung der falsche Zug wäre. Nur schlecht geführte Klubs entlassen den Trainer unter der Saison, denn die Nachfolge muss langfristig geplant werden und die Kandidaten müssen Konzepte vorlegen, wie sie sich die nächsten 3, 5 und 10 Jahre vorstellen (Gut, Brendan Rogers hat so etwas vorgelegt und der Erfolg ist auch überschaubar aber trotzdem). Aber auch die Stimmen der Vernunft (dazu zähle ich arseblog und gunnerblog) stellen nun ähnliche Fragen, wie die Hysteriker unter den Fans. Hat Wenger die Situation im Griff?
Denn was die letzten Wochen gezeigt haben und was im gestrigen Spiel kulminierte, ist, dass die Mannschaft offenbar nicht weiß was sie auf dem Feld tun soll. Die Spieler scheinen sich untereinander schlechter zu verstehen als am Beginn der Saison (im spielerischen Sinn, nicht als Gruppe). Gegen Everton gab es mindestens drei Situationen wo zwei Arsenal Spieler förmlich kollidiert sind, weil nicht klar war, wer den Ball spielen soll. Die ballführenden Spieler suchen verzweifelt nach Abspielstationen, was durch entsprechende Gesten nach Ballverlusten noch unterstrichen wird. Es werden keine Pässe gespielt, sondern der Ball wird, im wahrsten Sinne des Wortes, abgegeben, was dazu führt, dass die Ballannahme schwieriger gemacht wird und dadurch passieren auch mehr Fehler bei dessen Annahme. Das steigert die Unsicherheit mancher Spieler weiter und der Teufelskreis schließt sich, wenn diese den Ball dann auch nur schnell wieder los werden wollen. Auf den Zuseher macht das ganze natürlich den Eindruck, als hätten die Herren in Rot und Weiß andere Berufe erlernt, als den des Fußballers. Wir haben außerdem zu wenig Schüsse aufs Tor und wenn doch welche abgegeben werden, sind diese meist harmlos, wie einige von Cazorla gestern. Hinten stehen wir zwar besser als in der Vergangenheit, aber es passieren sogar mehr individuelle Fehler und aus denen fallen fast jedes Mal Tore (hier eine Aufstellung von 7am Kick off). Ich glaube, dass der Kern des Problems dabei nicht die Qualität der Spieler ist (etliche Nationalspieler sind dabei und die meisten haben schon oft gezeigt, dass sie es besser können) sondern, dass wir, wieder einmal, auf der psychologischen Seite Probleme haben. Das Team hat eine ausgewachsene Depression, die durch die Tatsache gefördert wird, dass Schlüsselspieler keine Pause bekommen, weil der Manager anderen Kaderspielern zu wenig vertraut. Beides, die Betreuung des Teams, eben auch auf der psychologische Seite und die Zusammenstellung des Kaders, sind ureigene Aufgaben des Managers. Und damit liegt der Ball bei ebendiesem.

Wenn eine Entlassung nicht die Lösung ist, was ist es dann? Nun im Jänner, glaube ich, muss der Umbau des Kaders nach dem Scheitern des Projektes Fabregas einen massiven Schritt weitergebracht werden. Ich stehe dazu, dass jeder einzelne Verkauf der letzten Jahre, isoliert betrachtet, Sinn macht. Aber unter dem Strich bleibt das Faktum unumstößlich stehen, dass man durch den Verkauf der besten Spieler nicht besser wird. Wie schon öfter hier geschrieben, es gehört ein weiterer Stürmer und ein Mittelfeldspieler her. Das ist das Mindestprogramm. Und dann gehören all jene Spieler ausgetauscht, die offenbar von Wenger nicht als Alternativen gesehen werden. Chamakh und Arshavin allen voran. Auch muss sich der Manager überlegen, wie es mit den Nachwuchshoffnungen weitergeht. Warum ersetzt ein Coquelin nicht das eine oder andere Mal einen Arteta? Oder ein Eisfeld einen Cazorla? Coquelin ist meines Erachtens dazu in der Lage. Und auch wenn Eisfeld, oder vielleicht auch Gnabry, natürlich einen Cazorla nicht vollwertig ersetzten können, in Spielen gegen Teams wie Aston Villa muss das in einer funktionierenden Mannschaft möglich sein. Wenn nicht, dann funktioniert entweder die Mannschaft nicht (was derzeit sicher der Fall ist) oder die Spieler können das nicht. Dann stellt sich die Frage, was tun sie in unserem Kader. Zusätzlich ist jede weitere Verstärkung willkommen, beispielsweise ein Torhüter der als echte Konkurrenz für Szczesny (unser bester Mann gestern) anzusehen ist. Sollten wir uns für die nächste Champions League nicht qualifizieren, dann wird der Einkauf im Sommer nur noch schwieriger. Top Spieler wollen in die Champions League, man braucht ja nur ansehen, was Liverpool so alles bekommen hat in den letzten Jahren.

Am Dienstag gegen Olympiakos werden wir wahrscheinlich einige neue Gesichter sehen. Ich fürchte aber, dass da wieder zu viel getauscht wird und die Gunners einen Auftritt wie das letzte Mal hinlegen werden. Aber ein bisschen Benzin ins Feuer kann ja nicht schaden. Dann geht es gegen West Bromwich Albion. Gegen die haben wir uns am letzten Spieltag der Vorsaison schon extrem schwer getan und da waren die Formkurven weiter auseinander, zu unseren Gunsten. Also eigentlich auch ein Brocken, noch dazu einer, der derzeit in den Top Vier der Tabelle steht. Reading und Wigan sollten dann leichter werden, mit dem Capital One Cup gegen Bradford dazwischen. Im Moment ist aber jeder Gegner eine Herausforderung. Jedenfalls ist der Spielplan bis zum 13. Jänner so gestaltet, vor allem für ein Team in der Krise, dass es in einer Liga wie der Premier League kaum günstiger kommen kann. Wenn wir diese Chance nicht nützen, dann sehe ich wirklich schwarz (ohne eine solchen Schal umzulegen).

Jedenfalls, der Eigentümer wird bleiben, der Vorstand mehr oder weniger unverändert auch, genauso wie der CEO, egal wie diese Saison endet. Für Arsène Wenger gilt das seit gestern nicht mehr so uneingeschränkt. Ich drücke jedenfalls alle Daumen, dass er auch da wieder herauskommt, denn ob etwas besseres nachkommt, steht in den Sternen. Und nur weil es nicht schlechter werden kann, sollte man nicht einen erfahrenen Trainer opfern. Außerdem, schlimmer geht immer. Gemessen an den Zuständen bei Chelski, den Scousers und Man United (Stichwort Glazers) bleibe ich dabei, Arsenal ist auf einem guten Weg. Mittelfristig halt. Kurzfristig schaut es zugegebenermaßen übel aus. Aber jetzt heißt es, sich die Schwanensch***e abwischen, in der wir gestern mit dem Gesicht nach vorne gefallen sind und den Blick wieder nach vorne richten. Der nächste Vogel kommt bestimmt (zumindest in der Liga).

We love the Arsenal we do!

Freitag, 30. November 2012

Mein Schal bleibt Rot und Weiß!

Morgen marschieren Menschenmit schwarzen Schals um das Stadion von Arsenal. Ihr Motto ist "Wo ist unser Arsenal hin?". Das erinnert ein bisschen an ein Mann in der Midlife Crisis der sich vor den Spiegel stellt und fragt "Wo ist meine Jugend hin?". Die Antwort in beiden Fällen lautet: "Weg!". Wobei man die Schwarzschals fragen kann, wieso es ihr Arsenal sein soll, aber soweit möchte ich gar nicht gehen. Ihre Forderungen bezüglich der Ticket Preise sind vertretbar, glaube ich. Aber sobald es in Richtung Hinauswurf des Eigentümers, des Vorstand oder des Trainers geht, hört sich der Spaß auf. Wobei der Trainer ausdrücklich nicht das Thema sein soll. Kritik ist natürlich immer erlaubt, aber der Sinn den Hinauswurf eines Eigentümers zu fordern, erschließt sich mir nicht. Man kann ihm sein Eigentum abkaufen, aber damit sind die legalen Mittel auch schon ausgeschöpft seit der Kommunismus auf dem Misthaufen der Geschichte entsorgt wurde. Und dann fordern einige als Ersatz Herrn Usmanov, Stichwort Misthaufen der Geschichte. Dann würde ich wahrscheinlich auch auf die Straße gehen, ohne die Schal Farbe zu wechseln. 
Der Vorstand, allen voran Ivan Gazidis, hat gerade einen Sponsor Deal über ca. GBP 30 Mio. pro Jahr abgeschlossen. Nicht gerade der klassische Kündigungsgrund. Betreffend die Entwicklung von Arsenal in Richtung eines Business, so ist das halt im Jahr 2012. Daran wird sich nichts ändern und wenn wir oben dabei sein wollen, dann müssen wir auch diese Seite des Fußballs akzeptieren. Also latscht im Kreis so viel Ihr wollt, ändern werdet ihr nichts. Ich trage meinen Arsenal Schal in Rot und Weiß, Ende der Geschichte.

Was die Situation nicht besser macht, ist was sich derzeit am Platz abspielt. Zwei Unentschieden in Folge, eines gegen Villa, eine große Enttäuschung, das andere gegen Everton, ein ordentlicher Erfolg, haben die Stimmung nicht verbessert. Was besonders negativ aufgefallen ist, waren die fehlenden Alternativen auf der Bank in beiden Spielen. Die Aufregung in Birmingham war besonders groß, worauf die Fans Arsène Wenger die Kompetenz lautstark abgesprochen haben und dieser dann nachher, auf ziemlich impertinente Fragen der Journalisten, eher patzig reagiert hat. Die Einwechslung von Coquelin für Giroud, war halt nicht wirklich ein Zeichen großer Hoffnung. Tatsache ist, dass wir im Winter die schon oft besprochenen Verstärkungen holen sollten und Wenger scheint das ähnlich zu sehen. In den verbleibenden Spielen müssen wir allerdings das große Namens Karussel über uns ergehen lassen, da mehr oder weniger alle Fußballer dieses Planeten, zu dem einen oder anderen Zeitpunkt bis Ende Jänner, mit den Gunners in Verbindung gebracht werden. Und außerdem müssen wir bis dahin mit dem Auskommen was wir haben. Da mangelt es nicht an Qualität, aber offensichtlich an Quantität und die Tatsache, dass wir Arteta und Cazorla, aber auch Giroud in jedem Spiel beginnen lassen müssen, nährt auch nicht gerade die Hoffnung. Der eine oder andere wirkt schon sehr müde.

Morgen geht es gegen Swansea. Das Spiel ist daheim, wird aber trotzdem schwer, die Waliser sind in ansprechender Form. Hoffentlich gibt es wieder einmal 3 Punkte, damit bei Arsenal langsam so eine Art Weihnachtsfrieden einkehren kann.

Also Vorsicht bei der Schal Wahl und Up the Arsenal!

 

Mittwoch, 31. Oktober 2012

Ein Wahnsinnstrip

Zum Glück ist der Kanonier eine faule Sau und wollte gestern keinen Blog schreiben. Denn was sich am Abend in einer kleinen Stadt im Themsetal abgespielt hat, war eines der irrsten Fußballspiele aller Zeiten.

Fußballfan sein hat einiges mit einer Drogensucht gemeinsam. Man wartet ständig auf das nächste Spiel der eigenen Mannschaft (ist gleich der nächste Schuss), dieses versetzt einem einen Kick, je nach Qualität des Stoffs ist der Trip mal besser und nachhaltiger und mal schlechter. Manchmal ist das Verlangen so groß, dass man es mit den Spielen anderer Teams probiert, was am Wochenende mit dem Merseyside Derby und dem Spiel Manchester gegen Chelsea extrem lohnend war, aber zu viele Spiele schlagen sich mangels Qualität negativ aufs Gemüt. Man will den richtigen Stoff, in unserem Fall The Arsenal. Und dann gibt es Tage, da bekommt man was man sucht in seiner reinsten Form und erlebt einen Wahnsinnstrip! (Da hört die Analogie dann auf, den goldenen Schuss kann man sich mit Fußball zum Glück nicht setzen).

Gestern war einer dieser Tage. Nach einem Besuch bei einer Freundin der Kanonierin, wo wir einen 12 Wochen alten Kater bestaunt haben (extrem süß!), war ich nach Sekt und Brötchen eigentlich reif für das Bett, noch dazu wo heute früh um 6:30 Tagwache war und eine zweistündige Autofahrt bevorstand. Trotzdem schleppte ich mich ins Pub, um mir den Capital One Cup Kracher Arsenal gegen Reading anzusehen. Die Erwartungen waren also niedrig (gute Voraussetzungen für einen Wahnsinnstrip). Arsenal lief mit einem verhältnismäßig starken Team auf. Die meisten hatten schon in der ersten Mannschaft gespielt, einige davon sogar schon öfter. Also keine große Sache und mit einem frisch gezapften Ale in der Hand stand ich in meinem Stamm Pub, das nur spärlich gefüllt war. Die restlichen Gooner waren in der Stadt verteilt und schauten in anderen Pubs. Dann nahm das Unglück seinen Lauf. Die Verteidigung stellte sich an, als hätte sie den Sinn des Spiels nicht ganz verstanden und Reading spielte munter drauf los, schoss aufs Tor und traf und traf und traf und verdammt noch einmal traf. 0:4. Und nicht einmal unverdient. Was soll's, wer braucht schon den Ligapokal. In der Zwischenzeit meldete sich Le Bohemien und SMSste, er ist auf dem Heimweg und schaut noch vorbei. Alleine lässt sich so ein Spiel auch schwer ertragen. Kurz darauf hatte Arshavin einen seiner raren lichten Momente, spielte einen Zuckerpass auf Walcott, der auf und davon, Chip über den Goalie und 1:4. Na immerhin. Bemerkungen über ein Comeback (Haha!)  machten die Runde, dann folgte der Pausenpfiff. 
Le Bohemien kam an und wir scherzten, dass eine Wette auf Arsenal gute Quoten bringen müsste. Im Zeitalter der mobilen Kommunikation kein Problem, Handy raus, wir setzten € 10,-- auf ein Unentschieden nach 90 Minuten bei einer Quote von 28:1. Anpfiff zur zweiten Halbzeit.

Arsenal wirkte stark verbessert, Reading war aber auch deutlich passiver. Die Hoffnung steigt. Tore fallen aber keine, die These lautete, wenn wir vor der 60igsten treffen, dann könnte das noch was werden. Die Hoffnung sinkt. 64. Minute, der eingewechselte Giroud trifft zum 2:4. Klasse Tor, die These wird adaptiert nach dem Motto: "Wir wollen das noch einmal gelten lassen". Leichter Anstieg der Hoffnung. Die Zeit verrinnt. Die Hoffnung beginnt wieder zu sinken, zunächst langsam, dann schneller. Wer braucht schon den depperten Liga Pokal. 89. Minute Koscielny trifft, nach einem Eigentor in der ersten Halbzeit, diesmal ins richtige Tor. Aber eigentlich ist das Spiel schon aus und überhaupt, aber verdammt, die Hoffnung klammert sich in den Eingeweiden fest. Die Nachspielzeit beginnt und wir vergeben eine Riesen Chance. Das war’s jetzt aber wirklich. Kann die Hoffnung sich jetzt bitte schleichen. Das Ende der Nachspielzeit läuft ab. Na gut, das war’s jetzt aber endgültig. Aber der Schiedsrichter pfeift nicht ab. Arsenal näher sich mit Einwürfen dem Strafraum und dann, plötzlich ist der Ball im Strafraum, Walcott zieht ab, der Ball scheint über der Linie, nein doch nicht, Jenkinson schießt, jetzt ist der Ball über der Linie, Arsenal Spieler jubeln, die Regie schneidet auf den Linienrichter. Doch kein Tor? Die Arsenal Spieler wirken kurz beunruhigt. Das darf doch nicht wahr sein. Aber das Tor zählt. Ich erlaube mir jetzt auch zu jubeln. Offenbar wurde nur diskutiert wer der Torschütze war (heute wurde Walcott das Tor zugeschrieben, der ist damit unser Toptorschütze in allen Bewerben). Es setzt der Kick ein. Das unbeschreibliche Gefühl eines Tores in allerletzter Sekunde, ein Wahnsinnstrip. Und reich sind wir auch noch. Abpfiff, Verlängerung.

Ja im Carling Cup gibt es eine Verlängerung, Giroud und Coquelin wussten das nicht und mussten ihre Trikots wieder von den Auswärtsfans zurückfordern. Anpfiff. Die Hoffnung sitzt fest im Sattel, der Termin für die Tagwache auch, aber ohne Bier geht es nicht. Zumindest noch ein kleines (eine weiteres großes Ale habe ich unterschlagen). Die Verlängerung dümpelt dahin, bis Chamakh seine Verkleidung abwirft und der Torjäger zum Vorschein kommt, den wir von Bordeaux gekauft haben. Ein strammer Schuss, Arsenal führt, die Hoffnung übergibt an die Gewissheit. Zweite Hälfte der Verlängerung, Reading gleicht in der 115. Minute aus. Die Gewissheit entschwindet und die Hoffnung möchte wieder auf ihren Platz wird aber von der Enttäuschung, die in der Ecke gelauert hat, festgehalten. Geh bitte, bloß kein Elfmeterschießen. Die Nerven sind schon aufgebraucht. Wieder beginnt eine Nachspielzeit, der Ball kommt in den Strafraum, prallt an irgendwem ab, kommt vor Walcott zu liegen, der schießt und trifft. Wahnsinn! Hoffnung und Gewissheit teilen sich jetzt einen Sitzplatz, Arsenal versucht hinten noch ein bisschen zu schwimmen, dann aber ein Konter, Chamakh alleine auf's Tor zu, ein Heber und jetzt ist alles aus. 7:5. Kopuliere mit meinem großen hohen Hut, wie ein englischer Freund auf Facebook bemerken zu müssen meinte (was auch immer das heißen soll).

Le Bohemien und ich warten noch auf die Highlights und das Interview mit Wenger. Nur noch 7 Stunden bis zur Tagwache (der Kanonier braucht viel Schlaf) und der Cocktail aus Alkohol (Sekt und Bier) und Adrenalin (da wurden die Vorräte für ein ganzes Monat verschüttet) wird ein schnelles Einschlafen zu verhindern wissen. Auf dem gemeinsamen Heimweg, kehren wir dann noch in eines der urigsten Cafés der Stadt ein und genehmigen uns eine Marille. Also die gebrannte Version, versteht sich. Hinter der Budel (Theke, für die germanischen Leser) bereitet das Original von einem Wirten Toasts zu. Kratzt das Schwarze herunter und schlichtet sie in ein Jausensackerl (Brotzeittüte aus Plastik). Warum? Keine Ahnung, die Nachfrage konnte meine Begleiter leider nicht mit dem gebotenen Ernst stellen. Dann ging es heim.

Good to be a Gooner!

PS: Heute früh war es ganz OK, eine Autobahnausfahrt verpasst, sonst keine Vorkommnisse.
       

Sonntag, 25. März 2012

Was Vill(m)a mehr...

Ein großes Sorry für den Titel, aber manchmal muss es einfach raus.

Unser Marsch zum 3. Platz in der Premier League geht also weiter. Wieder ein sicherer Sieg, diesmal auch kein Gegentor, und dass obwohl der viel geschmähte Djourou statt Koscielny (Sehnentzündung im Knie) spielte. Dazu drei Tore ohne dass van Persie getroffen hat. Das alles kann sich sehen lassen. Im Gegensatz zum Spiel am Mittwoch war es jedenfalls auch für die Nerven der Fans ein positiver Nachmittag. Le Bohemien hat sich dahingehend schon Sorgen gemacht. Und auch an dieser Stelle wurde schon die Befürchtung geäußert, dass eines Tages der Arzt ein Arsenal Verbot ausspricht.

Aufgewertet wurde unser souveräner Heimsieg durch das 0:0 zwischen Chelsea und Tottenham davor. Während Arsenal jetzt 8 Punkte vor den Blauen und 3 Punkte vor den Sümpflern steht, wird es für Chelsea auch für den 4. Platz schon schwierig. Denn so schwach einzelne Spieler von Deppenham gestern wahren (Modric, Bale, und vor allem Assou-Ekotto), unter dem Strich war man dem Sieg näher als Chelski. Die von unter der Brücke in Stamford haben das Spiel zwar stärker begonnen, aber in der zweiten Halbzeit ist ihnen nicht mehr viel eingefallen. Sp*rs hatten in Halbzeit zwei über 60% Ballbesitz, wenn ich mich recht entsinne. Die lilienweißen c***s mögen einen schlechten Lauf haben, das Team in der Krise ist aber eindeutig Chelsea. So wird das auch nichts in der Champions League.

Für die Gunners heißt das dranbleiben. Nächste Woche geht es gegen QPR, einen Abstiegskandidaten. Trotzdem wird es nicht leicht, vor allem das Zusammentreffen von Gervinho und Joey Barton wird im Vorfeld sicher ordentlich aufgebauscht. Und der kleine Irre ist immer für eine Einlage gut. Hoffen wir dass unser Ivorer die Nerven behält und vielleicht verpasst Song dem selbsternannten Intellektuellen des englischen Fußballs ja eine tödliche Umarmung. Wie auch immer, 3 Punkte sind essentiell, denn am Ostersonntag geht es gegen City. Und auch wenn die Himmelblauen Nerven zeigen, offenbar ist man beim 1:1 gegen Stoke aus dem Brittania Stadium getreten worden, wird das trotzdem ein hartes Stück Arbeit, bei dem unter Umständen am Ende keine 3 Punkte stehen. Da wäre in ordentlicher Polster von Vorteil.

Jetzt wo das Team wieder mit den Adlern kreist, um eine bekannten österreichischen Fußballexperten zu zitieren, wird es auch immer Interessanter wer nächste Saison die Gunners verstärkt. Und da wir hier nicht ständig herum spekulieren wollen, besprechen wir doch einmal die Spieler im Kader, die diese Saison nicht so viel beitragen konnten. Nein nicht Diaby, den an seiner Situation wird sich nicht viel ändern, behaupte ich mal. Aber Wilshere sollte uns nächste Saison wieder zur Verfügung stehen. Der chef (im englischen Sinn des französischen Wortes) meinte gestern in apokalyptischer Stimmung, dass Wilshere nach dieser langen Verletzung nie so gut werden wird, wie er hätte werden können, wenn er nicht so lange verletzt gewesen wäre. Irgendwie hat das der junge Mann einfacher formuliert, aber wie auch immer. Natürlich wird das fehlende Jahr Praxis nicht spurlos an ihm vorüber gehen. Diaby ist wohl das beste Beispiel wie so eine lange Pause einen Spieler aus der Bahn werfen kann. Auch Eduardo und Rosicky haben Karrieren nicht dort fortsetzen können, wo sie aufgehört haben, obwohl der letztere im Moment in großartiger Form ist. Trotzdem glaube ich, spielt sich da mehr im Kopf ab als im Körper. Wenn die Verletzung ausgeheilt ist, und die Rehabilitation entsprechend durchgeführt wurde, dann gibt es medizinisch eigentlich keinen Grund, nicht wieder zu alter Form zu finden. Und Wilshere sprudelt geradezu über vor Selbstvertrauen. Die Vereinspolitik und Arsène Wenger werden jedenfalls dafür sorgen, dass wir uns das Experiment am lebenden Objekt ansehen können. Für Wenger fällt Jack sowieso unter die Kategorie "Wie eine Neuverpflichtung".
Die anderen beiden, sind Coquelin und Frimpong, wobei der zweite noch einige Zeit vor sich hat, bis er wieder mit dem Training beginnen kann. Coquelin ist aber jedenfalls eine große Verstärkung und es wird interessant zu beobachten, was er leisten kann, wenn er endlich seine Chance im defensiven Mittelfeld bekommt und nicht ständig wo anders aushelfen muss, was er aber immer tadellos gemeistert hat. Wie schon einmal gesagt, er war eine der positiven Figuren im Stahlgewitter von Manchester, als er dort auf seiner Position spielen konnte.

Der Kanonier selbst kann das nächste Spiel jedenfalls nicht live sehen, nachdem wieder jemand seine Geburtstagsfeier am Spieltermin platziert hat. Rücksichtslose Menschen gibt es. Aufnehmen scheidet diesmal auch aus, ich fürchte mehr als Match of the Day wird es nicht werden, wenn überhaupt.

In diesem Sinne, Up the Arsenal!

Sonntag, 5. Februar 2012

Sieben

Na wenn das keine Antwort auf die, auch an dieser Stelle, geäußerte Kritik war, dann weiß ich auch nicht.

Und ich möchte jetzt gar nicht darauf eingehen, dass der Gegner nicht so stark war (übermächtig waren Fulham und Bolton ja auch nicht), oder dass uns ein sehr frühes Tor geholfen hat (hat es nämlich nicht, wie man am Ausgleich sehen konnte). So wenig man Arsène und seinen Mannen erlaubt sich auf Pech oder ähnliches auszureden (völlig zu Recht, wie ich meine) wenn wir verlieren, so wenig sollte es im umgekehrten Fall erlaubt sein, einen Sieg kleinzureden. Noch dazu so einen hohen. Natürlich ist auch dieses Ergebnis nur so viel Wert, wie die 3 Punkte die wir nächste Woche in Sunderland holen müssen. Aber bis wir dieses Spiel in den Sand gesetzt haben, könnten wir Arsenal Fans zur Abwechslung wieder einmal positiv in die Zukunft sehen.

Neben dem üblichen Verdächtigen für eine tolle Leistung, Robin van Persie und sein Hattrick, sowie Oxlade Chamberlain als neuer Darling der Gooner mit 2 Toren, sollte man auch auf Walcott mit seinem Assist-Hattrick nicht vergessen. Wenn er richtig eingesetzt wird und seine Geschwindigkeit ausspielen kann, gehört er zu den Gefährlichsten auf seiner Position. Aber um nicht die ausgetrampelten Pfade anderer zu benutzen (ich verzichte auf Verlinkungen, da die gestrige Ballnacht und der kommende Super Bowl Abend ihren Tribut fordern und ich sowieso zur Faulheit neige) möchte ich meinen Spieler des gestrigen Spiels hier preisen. Francis Coquelin!
Was der junge Mann an Reife und Souveränität auf dem Platz zeigt, mit den für Wengers Entdeckungen üblichen technischen Fähigkeiten, wir meines Erachtens viel zu wenig gewürdigt. Auch seine Leistung in der Hölle von Old Trafford war aller Ehren wert. Im Gegensatz zu Jenkinson, wirkte er auch ungerührt von dem Stahlgewitter, dass das Team durchlebt musste. Letzten Endes war seine Auswechslung sogar noch eine Art Wendepunkt zum schlechteren. Wirklich interessant wird es also, wenn er die Chance bekommt, seine Position im defensiven Mittelfeld einzunehmen. Gestern jedenfalls hat er nicht nur seine rechts hinten Postion tadellos ausgefüllt, er hat auch einiges zu dem schnellen Spiel nach vorne beigetragen. So vermisst man Stammspieler wie Sagna nicht.

Jetzt können wir uns jedenfalls zurücklehnen und zusehen, wie Chelsea versucht gegen Manchester United den 5 Punkte Abstand wieder herzustellen. Die Chancen, dass sie das nicht schaffen stehen gut. Im Moment da diese Zeilen entstehen, spielt Newcastle gegen Aston Villa und es steht zur Pause 1:1 (Ausgleich in der Nachspielzeit durch Robbie Keane). Morgen folgt dann das Duell Liverpool gegen Tottenham. Was für mich persönlich ein bisschen ein Dilemma aufwirft. Im Kampf um den 4 Platz wäre für uns ein Tottenham Sieg gut. Aber darf man als Arsenal Fan auf so etwas hoffen? Auf der anderen Seite würde ein Sieg von Liverpool den Abstand von Arsenal auf Tottenham wieder auf 9 Punkte verkürzen. Damit würde wieder ein Silberstreif am Horizont leuchten, was den St. Totteringhams Day betrifft. Klassischer Kompromiss wäre natürlich ein Unentschieden, mit vielen Roten Karten und entsprechenden Verletzungen. Das Bild von Steven Gerrard, wie er Modric umhackt, hätte schon etwas. Aber beeinflussen kam man das eh nicht (Voodoo funktioniert nicht, habe ich schon ausprobiert), daher einfach Fernseher an und sich überraschen lassen.

Und letzten Endes gibt es heute ohnehin nur noch ein wichtiges Thema. Die Superbowl. Der Autor hat ein paar Freunde eingeladen um mit der passenden Verpflegung dem Spektakel zu folgen. Als Fan der Patriots gibt es heute wenigsten ein Team, dass ich von Anfang an unterstützen kann. Normalerweise gilt meine Sympathie dem Team, dass in der Pause zurück liegt (außer es handelt sich um eines der zahlreichen Teams die ich nicht leiden kann, allen voran die Steelers). Wie auch immer Go Pats!

Über allem steht aber Arsenal! Daher auch noch einmal ein herzliches Come on you Reds!
The King bereitet sich auf die 7 vor!