Samstag, 27. September 2014

Grand Tour I

Das erste Auswärtsspiel in der Premier League führte mich nach Liverpool, genauer gesagt in den Goodison Park. Ich kam mit dem Zug aus Manchester, in dem auch ein weiterer Arsenal Fan saß, der mich am Bahnhof in Liverpool fragte, ob ich auch zum Spiel gehe (ich hatte nur meinen rot-weißen Schal um, hätte also auch ein Liverpool Supporter sein können). Wie das so ist in der großen Arsenal Familie, waren wir uns auf Anhieb sympathisch und haben uns ein Taxi zu einem Pub geteilt. Alleine wäre ich direkt ins Stadion gefahren, aber so war ich zu jeder Schandtat bereit. Der Taxifahrer, selbst ein Liverpool Fan, klärte uns auf, dass die Pubs, die bei den Heimspiel des LFC die Reds beherbergten, bei den Spielen der Toffees von den Gästefans genutzt werden. Und so kam ich in den Genuss des üblich Gooners Warm Up, mit zahlreichen Fan Gesängen die sich in erster Linie mit unseren in vielerlei Hinsicht zurückgebliebenen Nachbarn beschäftigen. Keith der Superfan war natürlich auch da. Das Pub war vielleicht 100m von der Anfield Road entfernt, der Goodison Park befindet sich einfach auf der anderen Seite des Stanley Parks. Distanzmäßig sicher eine der engsten Rivalitäten im Fußball. Also benötigten wir nur einen kurzen Fußmarsch um zum Stadion zu kommen.

Stanley Park
Goodison

Dort verwehrte mir das elektronische Zugangssystem den Eintritt (ziemlich schmerzhaft so eine Kollision mit einem sturen Drehkreuz), also musste ich ein Ersatzticket lösen, was allerdings sehr schnell erledigt war (auch Season Ticket Holder von Everton waren betroffen und wirkten nicht besonders überrascht). Am Rückweg zum Einlass traf ich noch Jill Smith, die es in der Pension offenbar genießt, zu einem Spiel gehen zu können, ohne sich um irgendetwas oder irgendjemanden kümmern zu müssen.

Im Stadion begab ich mich auf meinen Platz, der nahezu ideal war um sowohl den eigenen Support zu genießen, als auch den Heimsupport der Blauen zu beobachten (der allerdings eher lahm war, worauf sie auch regelmäßig von den Gooners erinnert wurden (Shall we sing a song for you?).

Vor dem Spiel
Die schweigende Mehrheit

Das Spiel verlief weniger erfreulich. Ich fand uns zwar bestimmend, aber nachdem wir aus einem der ersten hohen Bälle das 0:1 erhielten änderte sich das Spiel und Everton war gefährlicher trotzdem wir nach wie vor überlegen waren (Spielanteil und so). Schließlich fiel aus einem Konter das 2:0, wobei Naysmith deutlich im Abseits stand, aber die Spielregeln waren nicht so die Stärke des Mannes in Gelb. Nach dem Seitenwechsel kam Giroud für Sanchez und sofort waren wir gefährlicher. Auch wenn sich ein junger Fan vor mir über die erste vergeben Chance von Olivier aufregte, aber wir hatten wenigsten welche. Everton war nur noch damit beschäftigt Zeit zu schinden (so klein ist der Ball nicht, dass man ihn ständig suchen muss) und zog sich immer weiter zurück, Arsenal drückte nach und schließlich traf Ramsey zum 1:2. Hoffnung machte sich im Sektor breit und als schließlich der Ausgleich durch Giroud fiel, gab es kein Halten mehr und die blauen Scousers wurden auf ihr Versagen noch einmal deutlich hingewiesen.


Das Champions League Spiel gegen Besiktas konnte ich nur über den Live Ticker verfolgen. Schon interessant, dass es daheim einfacher ist alle Spiel der Gunners zu verfolgen als in England. Wie auch immer, der Arseblog Liveblog war nervenaufreibend genug vor allem die letzten Minuten. Mit der 17. Teilnahme in der Tasche konnten sich die Gunners der nächsten Aufgabe in der Liga widmen.

Das Auswärtsspiel in Leicster haben ich und die Kanonierin in einem Pub in York gesehen. Eine mäßiger Auftritt der Gunners, da half es auch nicht, dass Koscielny nach einem Zusammenstoß aufgeben musste. Arsenal war da schon durch Sanchez in Führung gegangen nachdem Sanogo ein Schupferl von Cazorla nicht richtig verwerten konnte in seiner unnachahmlich bambiesken Art. Kurz darauf aber eine Konter über die linke Seite, Flanke und Tor. Den Rest der Partie quälte sich Arsenal ein flüssiges Passspiel aufzubauen, scheiterte aber. Trotz mehr Ballbesitz, mehr vollständiger Pässe, mehr Torschüssen und Schüssen auf das Tor ist bei Arsenal Sand im Getriebe und es bleibt eine Anfälligkeit bei Kontern. So werden wir nicht Meister!

Ob sich am Transfermarkt noch etwas tut bis Montag? Ich hatte die Freude diesen Tag des Heiligen Sky Tickers in England zu verbringen und die Spannung die über dem ganzen Land liegt ist kaum auszuhalten. Für Arsenal schien sich aber nichts zu tun und Wenger war in Rom. Letzten Endes hat aber gerade dieser Ausflug dazu geführt, dass wir statt dem benötigten Verteidiger doch noch einen Stürmer gekauft haben, nämlich Danny Welbeck der praktischerweise mit der englischen Nationalmannschaft am Trainingsgelände von Arsenal zu Gast war. Gemessen an den Reaktionen der United Fans jedenfalls eine gute Akquisition. Es folgte eine internationale Pause von 2 Länderspielen (wo wir unseren Neo Gooner gleich in Aktion bewundern konnten) und dann ging das wahre Leben wieder los.

Wir waren inzwischen in Liverpool angekommen und so bin ich am Samstag in der Früh in den Zug gestiegen um zum Heimspiel gegen Manchester City zu reisen. Am Bahnhof habe ich mich mit der Daily Telegraph und dem neuen Buch von Ian Rankin ausgestattet. Dabei ist mir ein kleiner Ladendiebstahl passiert, da dass Buch eine Beigabe zur Zeitung war, aber ich beim self check out nicht überzuckert habe, dass man es trotzdem extra scannen muss. Erwischt wurde ich nicht (so viel zu den vielen CCTV Kameras) und drauf gekommen bin ich eigentlich auch erst im Zug. Die Angelegenheit konnte mittlerweile mit der WH Smith gelöst werden, sie verzichten auf die Überweisung der GBP 2,99.

In London hatte ich dann gemütlich Zeit von Euston nach Kings Cross zu spazieren und ein bisschen Metropolen Luft zu schnuppern nach den vielen Tagen am Land und in Provinzstädten. Es fühlt sich wirklich schon wie eine zweite Heimat an. Dann ging es mit der U-Bahn zur Holloway Road um bei Piebury Corner Station zu machen und dann zum Stadion.

Piebury Corner
"The Geordie Amstrong"
"We are the North Bank..."

Ich hatte diesmal eine Karte von einem Freund und so die Ehre zum ersten Mal auf der North Bank zu stehen also quasi im harten Kern der Arsenal Fans. Dort wird, wie erwähnt gestanden, und auch mehr gesungen. Das Spiel war spannend, Arsenal wirkte sehr stark allerdings ging sehr viel durch die Mitte. Es war aus der Perspektive richtig spannend zu sehen wie die Angriffe sich immer stärker verengten. Welbeck zeigte bei der Gelegenheit, dass er fußballerisch perfekt zu uns passt und hatte dann auch eine Riesenchance bei der er den Ball über Hart lupfte, aber leider nur die Stange traf. Dann hatte auch City einen Torschuss nach einem Konter und Arsenal war 0:1 hinten. Irgendwann nutzt sich die Pointe wirklich ab. Die Stimmung war dann etwas gedämpft und City kam zu weiteren Chancen. In der zweiten Halbzeit nahmen die Gunners dann wieder Fahrt auf. Arsenal spielte nun auf das Clock End zu, womit die Tiefe der Angriffe schwerer einzuschätzen war. Das 1:1 durch Wilshere war für mich vor allem dadurch zu erkennen, das genau in meiner Sichtachse ein Arsenal Spieler die Arme hochriss, als Jack den Ball über Hart hob. Arsenal war wieder am Drücker und ließ weitere Angriffe folgen. Das 2:1 war dann schön zu erkennen, weil Sanchez wieder in dieser Sichtachse stand und man sehr schön beobachten konnte wie er sich in der Erwartung des Passe von Wilshere positioniere und zum tödlichen Schuss aufrieb. Volle Ekstase auf der North Bank. Dann passierte das nächste unvermeidliche, ein Arsenal Verteidiger (Debuchy) verletzte sich. Es war klar, dass was Schlimmeres passiert sein musste, da nicht nur die Trage sondern auch Sauerstoff auf das Feld gebracht wurde. Chambers kam stattdessen herein und diese Umstellung und die mangelnde Konzentration wegen der Verletzung des Kameraden nutze City sofort aus. Chambers stand noch nicht perfekt und konnte eine Flanke nur zum Eckball klären. Aus dem resultierenden Eckball köpfte DeMichelis dann den unverdienten Ausgleich. Szczesny und Flamini sahen bei dem Treffer nicht gut aus und das der überwuzelte Rübezahl aus Argentinien nicht gedeckt wurde, half auch nicht. Ein starkes Spiel von Arsenal, dem Titelverteidiger und Mitfavoriten für diese Saison mehr als ebenbürtig und trotzdem 2 Punkte verloren.

Die Stimmung im Emirates war jedenfalls ausgezeichnet und Arsenal braucht sich nicht verstecken vor anderen Teams.
Die Heimreise gestaltete sich etwas schwieriger als erwartet. Zuerst ein längerer Fußmarsch Richtung Islington&Highbury, soweit so gut. Ausreichend Zeit um den Zug nach Liverpool zu erreichen, der dann auch pünktlich abfuhr. Kurz nach Birmingham aber ein unvorhergesehener Halt, kurz darauf die Information, dass sich jemand auf der Strecke vor einen Zug geworfen und die Polizei wegen Ermittlungen die Strecke gesperrt hatte. Also mussten wir zurück um über eine andere Strecke nach Norden zu fahren. In Crewe dann endgültiger Halt, da der Zug schon 90min Verspätung hatte und um den Fahrplan nicht weiter durcheinander zu bringen nach London zurückkehre. Wir mussten in den Folgezug einsteigen der aber schon nach 20 Minuten da war und auch genug Platz bot. So endete eine lange Reise am späten Abend in einem chinesischen Restaurant in das auch ein paar stockbetrunkene Liverpoolerinnen einfielen. Aber das ist eine andere Geschichte.



Gods own country

Sonntag, 17. August 2014

Einzigartig!

Es gibt sicher viele Details die man am gestrigen Auftritt der Gunners kritisieren kann. Sei es, dass der eine oder andere Spieler behäbig wirkte (Yaya, ich sehe Dich an), oder das die Art der Fehlpässe zum Haare raufen waren. Vor allem in der Zeit zwischen 60. und 75. Minute wirkte Arsenal angeschlagen. Doch in der letzten Viertelstunde erhöhte die Heimmannschaft den Druck und der Sieg schien möglich.

Arsenal war durch einen Kopfball nach einem Eckball von Hangeland in Rückstand geraten. Rasend originell. Kurz vor der Pause verwertete Koscielny einen Freistoß von Alexis zum Ausgleich. Bewegung und Abschluss von unserem gallischen Verteidiger waren eines Topstürmers würdig.
In der zweiten Halbzeit änderte sich nicht viel. Gibbs musste ausgetauscht werden (auch mal was neues), dann kamen noch Chamberlain und Giroud. Als es dann wirklich schon knapp wurde, schlug unser Walisischer Wunderknabe wieder zu und Arsenal hatte die ersten drei Punkte der neuen Saison (und war die einzige Heimmannschaft gestern, die gewonnen hat). Unter dem Strich war das jedenfalls mehr als verdient (Zahlen von 7am KickOff).

Nächste Station ist Istanbul um die Einnahme unseres Stammplatzes in der Champions League vorzubereiten. Mit Gibbs verletzt (Oberschenkel oder Achillessehne, das war gestern noch offen) und Mertesacker noch nicht Match fit, wird es hinten etwas knapp. Flamini war gestern auch nicht auf der Bank, ohne besondere Angabe von Gründen. Vielleicht sollten wir doch noch jemanden holen.

Abschließend noch ein paar Worte zum Kommentar auf Sky Deutschland. Das penetrante Aussprechen des Namen (Tony) Pulis wie man ihn schreibt, war nervig bis zum äußersten. Auch sonst hat der gute Mann ausschließlich Plattitüden abgefeuert. In dem Fall könnte man das Kommentar auch von einer Maschine sprechen lassen. Da gibt man vorher alle Gemeinplätze ein und die Aussprache von Namen lässt sich auch besser steuern.

Das war es wahrscheinlich vor der Studienreise Nordengland. Bei meiner Rückkehr können wir hoffentlich unser Lospech in der Champions League beklagen, dem französischen Nachwuchstalent, das wir für die Innenverteidigung geholt haben gute Besserung wünschen, und die Meisterfeier planen.

Sonntag, 3. August 2014

Delilah oder ein Sommer wie damals

Es geht wieder los. Nach einer kurzweiligen Sommerpause, die durch eine sportlich ansehnliche WM in Brasilien mit unaussprechlichem Ausgang verkürzt wurde, nähert sich die neue Saison mit großen Schritten. 

Und wie an dieser Stelle schon des öfteren angekündigt, hat Arsenal in diesem Sommer auch erstmals seit langem eine gute Figur auf dem Transfermarkt gemacht. Mit Alexis Sanchez haben wir einen Top Mann für den Sturm verpflichtet, mit Debuchy einen mehr als würdigen Ersatz für Sagna. Immerhin hat Debuchy auch den Stammplatz von Sagna in der französischen Nationalmahnschaft auf der rechten Außendecker Position übernommen. Dazu noch Chambers von Southampton, der grundsätzlich auch rechts außen spielt aber auch als möglicher Innenverteidiger oder für das defensive Mittelfeld gehandelt wird. Ein Spieler wie Phil Jones ohne den dämlich Gesichtsausdruck quasi. Zu den beiden gibt es einen interessanten Vergleich mit Sagna von 7am Kick Off. Im Gegenzug muss Jenkinson ins Exil nach Ost London, zu West Ham. Er wurde an sich nur verliehen und da Debuchy schon 29 ist, sehen wir ihn vielleicht wieder im Emirates (nicht bloß als Gast). Schließlich verpflichtete Arsenal noch David Ospina, den Torhüter der kolumbianischen Nationalmannschaft, als Konkurrent für Szczesny. Ospina hat mir bei der WM extrem gut gefallen und war sicher der beste der drei lateinamerikanischen Torhüter, die so gehypt wurden (die anderen beiden waren die Schlussmänner von Mexiko und Costa Rica). Und wie es aussieht, war das noch nicht das Ende der Fahnenstange. Mit Kedhira, Scheiderlein, bzw. Carvalho von Sporting Lissabon steht noch ein defensiver Mittelfeldspieler auf der Liste und vermutlich wird eine neuer Innenverteidiger kommen, um Vermaelen ziehen lassen zu können. 

Letzte Woche waren die Gunners zum ersten Mal seit längerem wieder in Bad Waltersdorf. Gooners aus ganz Europa waren angereist um das Team aus der Nähe sehen zu können. Bei den Nachmittagstrainings war die Haupttribüne des Stadions in Bad Waltersdorf voll. Vor allem Fans aus Ungarn und Slownien waren da, aber natürlich auch die Vienna Gooners, die Dover Gooners und einige mehr. Überschattet wurde das Revival durch Unstimmigkeiten bezüglich der Zugänglichkeit des Trainings. Die Vormittags Sessions wurden unter Ausschluss der Öffentlichkeit abgehalten. Überhaupt war der Zugang zum Team früher einfacher, was auch daran lag, dass die ganze Veranstaltung intimer war. Trotzdem wurde das Gerücht positiv aufgenommen, dass nächstes Jahr ein längerer Aufenthalt geplant ist. Man wird sehen.

Der Kanonier hatte jedenfalls das Glück, den einen oder anderen Leser persönlich kennen zu lernen und auch sonst alte Kontakte auffrischen zu können. Zu Gast durfte ich bei The Terrier sein, der in der Gegend ein Haus hat. Mit im Paket war die Beförderung mit einem alten Jaguar und spät nächtliches Philosophieren bei Whiskey und Wein.

Ein Teil des Titels bezieht sich übrigens auf eine der Heimfahrten in der Nacht durch den finsteren Wald, mit Tom Jones in übervoller Lautstärke aus dem CD Player. Die Tiere des Waldes werden sich gefürchtet haben. Und nicht nur die... 

Gestern schließlich das erste Spiel im Emirates Cup gegen Benfica Lissabon. Und Yaya Sanogo, der in den Trainingseinheiten eine gewisse Torallergie erkennen ließ, traf gleich 4 mal. Dazu ein Tor von Campbell. Alles nach teilweiser großartiger Vorarbeit von Ramsey, Chamberlain und Hector Bellerin. Nach dem Spiel verkündete Wenger, das Sanogo und Campbell diese Saison nicht verliehen werden (geschweige den verkauft). Gemessen an gestern, ergibt es das eine recht erfreuliche Sturmreihe. 

Das Spiel heute gegen den AS Monaco war eher mau. 0:1 nach einer misslungenen Abseitsfall gegen Falcao auf der einen Seite, Freistoß statt Elfmeter auf der anderen (war allerdings Abseits, soweit ich das sehen konnte) und damit kein Titel für die Gunners. Vielleicht klappt's ja mit dem Community Shield.

Bis dahin!

Vorschau: Ab der zweiten Runde befinde ich mich auf einer ausgedehnten Studienreise durch den rauen Norden von England. Blog wird es da wohl keinen geben, dafür nachher einen ausführlichen Bericht.

Sonntag, 18. Mai 2014

"Na dann schaun wir uns das an!"

Mit diesen Worten gab der CTO die Übertragung des FA Cup Finale im Chelsea in Wien frei (Arsenal Fans hatten sich auch im Shebeen und im Highlander versammelt). Ausgerüstet mit Fahnen und Clappers, die Arsenal den Supporter Clubs direkt aus China hatte zustellen lassen, war der Barraum mit ca. 40 erwartungsvollen Gooners gefüllt. Acht Minuten später lag Arsenal 0:2 zurück und die Stimmung war leicht abgekühlt. Der Sommelier, ein Fixstarter an der Bar des Chelsea, setze gleich einmal eine Schmerzgrenze:"Bei 5:0 für Hull gehe ich!". Wenig später verhinderte Gibbs auf der Linie das 3:0. Hull spielte gar nicht groß auf, aber irgendwie schien den Tigern (über die zoologische Zuordnung gab es den einen anderen Disput, aber ob Löwe oder Tiger ist ja eigentlich egal) alles zu gelingen, während die Gunners, wieder einmal, den Beginn eines Spiels zu verschlafen schienen.
Mehr langsam als sicher, gewann Arsenal die Kontrolle über das Spiel und es zeichnete sich ein Muster für die kommen 90 Minuten (repektive Achtung Spoiler 120) ab. Arsenal kombinierte und Hull versuchte durch taktische Fouls den Spielfluss zu unterbrechen. Es war kein übermäßig hartes Spiel, aber der Schiedsrichter, auf den wir noch zu sprechen kommen, lies den gestreiften diese Art zu verteidigen durchgehen. In der 17. Minute, gab es jedenfalls einmal einen Freistoß. Cazorla richtete sich den Ball her während im Pub darüber diskutiert wurde, ob Bergkamp oder Henry das letzte Freistoßtor für Arsenal erzielt haben. Sekunden später war der Ball im Netz und Santi hatte mit einem sehenswerten Schuss den Anschlusstreffer erzielt. Unsere Freundin, die Hoffnung, spähte ums Eck. Am Charakter des Spiels änderte da aber wenig. Unsere Burschen waren bemüht aber scheiterten immer wieder an der fehlenden Präzession. Podolski wirkte das eine oder andere Mal zu langsam, Giroud verzettelte sich immer wieder bei der Ballkontrolle. Auf der anderen Seite war Hull eher zahm. Bei einem Zweikampf von Koscielny pfiff der Schiedsrichter zum Glück Foul gegen Fryatt, sonst wäre dieser allein aufs Tor gelaufen. Viel war es nicht und damit eine der wenigen Situationen, wo Arsenal von einer Entscheidung profitierte. Zur Pause wirkten die Gooners, die sich zum Sauerstoff tanken vor das Lokal begeben hatte, allesamt etwas betropezt. Es kann halt nicht jeder das sonnige Gemüt des Kanoniers haben.

Die zweite Halbzeit setzte dort fort, wo die erste aufgehört hat, auch spielerisch. Immer wieder Halbchancen aber nichts wirklich zwingendes. Der Sommelier kredenzte inzwischen ein Craft Bier. Der Hausherr kritisierte die Stärke des Gerstensafts. Vermutlich weil er davon weniger verkaufen könnte, da die Kunden schneller betrunken sind. Zurück zum Spiel. Es folgte die lustige Regelkunde mit Lee Probert. Einmal blockt ein Hull Spieler den Ball mit beiden Händen im Strafraum. Weiterspielen. Dann der zweite nicht gegebene Elfmeter. Giroud wird von Huddlestone an der Schulter zurückgehalten. Weiterspielen. Schließlich die Entscheidende Aktion des Spiels. Sanogo kommt für Podolski und Yaya ändert sofort den Charakter des Spiels. Mit zwei Stürmern wirkte die Verteidigung von Hull überfordert und Giroud hatte endlich ein Partner für sein bevorzugtes Spiel. Die physische Präsenz des jungen Franzosen ist jedenfalls extrem beeindruckend. Es folgt zunächst der dritte nicht gegebene Elfmeter, Cazorla wird im Strafraum von den Füssen geholt. Weiterspielen. Der Ärger bleibt aber nur für wenige Minuten, denn nach einem Eckball (der auch keiner war, ein kleines Stück ausgleichende Gerechtigkeit), traf Koscielny zum 2:2. Das er dabei vom Torhüter gefoult wurde und dieser für rohes Spiel unter die Dusche geschickt gehört hätte, wollen wir einmal geflissentlich übersehen. Jedenfalls war die Stimmung im Pub am Siedepunkt, die Gooners lagen sich in den Armen und das Ende der mageren Jahre ohne Titel näherte sich. In der 79. Minute kommt dann Gibbs mitten im Strafraum frei zum Schuss, aber der Ball geht deutlich drüber. Als Arsenal Fan sieht man die Schatten vergangener Katastrophen heraufziehen. Kurz darauf der vierte und letzte nicht gegebene Elfer, diesmal ein Schubser gegen Cazorla. Weiterspielen. Und weil das alles nicht Nerven aufreibend genug war, legten die Gunners noch ein halbe Stunde Verlängerung drauf.

Die Tiger wirkten jetzt schon ziemlich müde und Arsenal drückte weiter. Vor allem Ramsey schoss eines um andere Mal, aber die Versuche erinnerten eher an die ersten Monate nach seiner Verletzung. Dann drehte Wenger weiter an der Schraube. Er nahm die kreativen, Özil und Cazorla heraus und brachte mit Rosicky und Wilshere zwei Spieler die direkter spielen konnten. Das war kurz vor dem 3 Seitenwechsel. Auch wenn Hull keine wirkliche Torchance hatte, ein Glücksschuss konnte jetzt das Finale entscheiden und Arsenal wäre ja nicht das erste Mal Opfer eines solchen geworden. Doch dann der große Moment. Der Ball kommt zu Giroud in den Strafraum, der legt den Ball mit der Ferse für Ramsey auf und der Waliser platziert den Ball exakt zischen der Hand des Torhüters und der Stange. Jetzt gab es kein Halten mehr. Der FA Pokal war zum greifen nah. Aber es wären nicht die Gunners wenn sie nicht noch einmal die Herzschrittmacher Industrie gefördert hätten. Mertesacker rutschte aus und plötzlich tauchte Fabianski auf, meilenweit von seinem Tor entfernt und wurde prompt vom Hull Spieler umrundet. Der Schuss näherte sich der Torlinie, Gibbs verfehlte den Ball aber der Ball rollte weiter, auch an der zweiten Stange vorbei uns ins Out. Der Pole musste dann noch einen Schuss halten aber schließlich folgte der erlösende Schlusspfiff. Wir lagen uns in den Armen, der Sommelier küsste alle Anwesenden (zumindest die ihm persönlich bekannt waren).

Arsenal ist FA Cup Sieger 2014! Nach langer Zeit sind wir endlich am Ziel. Sowohl für diesen Blog als auch für mich als Arsenal Fan (Mitglied seit 2006) ist es der erste Titel. Es war ein beeindruckender Lauf im Pokal, mit Siegen gegen Sp*rs, Liverpool und Everton. Arsenal hat dabei kein einziges Spiel außerhalb Londons ausgetragen. Arsène Wenger hat mehr FA Pokale (5) gewonnen als alle anderen Arsenal Trainer zusammen. Die Art des Sieges gestern ist jedenfalls das fehlende Mosaikstein, denn Arsenal gebraucht hat, um wieder ganz oben mitzuspielen. Der Bann ist gebrochen und mit den richtigen Verstärkungen im Sommer geht The Arsenal einer blühenden Zukunft entgegen.

Victoria Concordia Crescit!

Unser Tip
  

Donnerstag, 1. Mai 2014

Extra Hungariam non escht vitam!*

* aus "Ungarische Schöpfungsgeschichte" von Peter Hammerschlag.


Unter dem etwas sperrigen Titel "Central Eastern European Arsenal Supporters Clubs Meeting" haben sich die offiziellen Arsenal Fan Clubs aus Rumänien, Bulgarien, Slowenien, Kroatien, Serbien, Mazedonien, Polen, Österreich (Wien) und natürlich Ungarn mit teils stattlichen Gruppen zusammengefunden, um den Kontakt untereinander in diesem Teil des Kontinents zu verbessern. Die Österreicher, also wir, mit einer der kürzesten Anreisen (nach den Ungarn logischerweise) waren zunächst nur zu zweit. Meine Wenigkeit und Mr. Bad Waltersdorf, unser Kassier, der mich aus Wien abholte. Auf der gemeinsamen Fahrt erfuhr ich viel, über die Entstehung und Frühgeschichte der Vienna Gooners und über die Anfänge von Arsenals Trainingslagern in Bad Waltersdorf. Das wird wahrscheinlich ein eigener Blogpost werden. Der Präsident MC folgte (mit reizender Begleitung) am nächsten Tag, ebenso wie Cider Man. Klein aber fein aber, gemessen an der Größe unseres Fan Clubs, auch etwas mager.

Am Freitag Nachmittag trafen die Delegationen nach und nach im Afri Café ein, einem Kellerlokal in einem Gebäude der Universität mit dezent afrikanischer Dekoration. Dominiert wurden die Räume aber bald von rot und weiß, sowie gelb und blau. Für mich erwies sich die Anwesenheit von Mr. Bad Waltersdorf als sehr hilfreich, weil er einige der anderen Fans bereits von diversen Arsenal Trainingslagern in der Steiermark kannte und so die Kontaktaufnahme erleichterte. Die gemeinsame Sprache war Englisch und nicht jeder fühlte sich sicher genug um mit Arsenal Fans außerhalb seines Clubs Kontakt aufzunehmen. Nachdem die Gruppen alle da waren, bis auf Bosnien hatten es alle in mehr oder weniger gutem Zustand geschafft, wurde mit dem offiziellen Programm begonnen. Zunächst stellten sich die einzelnen Clubs vor, teils mit Power Point Präsentation (wie eigentlich vereinbart, ähem). Beeindruckend waren die Mitgliederzahlen der Kroaten (jenseits der 300) und der Mazedonier (ca. 400). Selbst wenn man die beiden österreichischen Clubs (Wien und Tirol) zusammennimmt, gehören wir also eher zu den kleinen. Nimmt man allerdings nur regelmäßig zahlende Mitglieder und davon wiederum die, die sich Woche für Woche im Pub treffen, dann liegen wir alle wieder recht eng beisammen (zwischen 10 und 20). Die Präsidentin von Arsenal Kroatien berichtete zudem, dass Eduardo bei Ihnen Ehrenmitglied ist und der Kontakt mit ihm auch zu Berichten in den nationalen Medien geführt hat. Ansonsten werden Arsenal Spiele besucht, hauptsächlich auswärts und Arsenal Spieler die mit der Nationalmannschaft im eigenen Land zu Gast sind am Flughafen begrüßt (vor allem der Mazedonier sind da sehr fleißig).
Danach folgte ein Arsenal Quiz. Auf Grund unsere geringen Mannstärke konnten wir zum einen nur auf einen kleineren Wissenspool zurückgreifen, zu anderen waren wir bei den Fragen, die durch Zuruf entschieden wurden, auch stimmmäßig unterlegen. Lediglich der Auftritt des Kanoniers beim pantomimischen Darstellen von Mesut Özil blieb allen Anwesenden in Erinnerung, weil dabei meine Brille in hohem Bogen davon flog. Voller Körpereinsatz halt. Es war jedenfalls abwechslungsreich und lustig und die Mazedonier holten sich schließlich den Sieg. Danach folgte der zwanglose Ausklang.

Wand der Sieger

Am nächsten Tag war relativ früh Tagwache, da wir im Trainingszentrum des Ferencváros Torna Club zum Fußballturnier antreten mussten. Eine beeindruckende Anlage mit viel Flair. Außerdem war es interessant zu beobachten wie die Sportler (Fußball, Schwimmer, Handballer, usw...) der verschiedensten Disziplinen in jeder Altersstufe von und zu ihren Trainings wanderten.
Das Wetter war leider bescheiden, starker Regen und niedrige Temperaturen, dazu die Aussicht auf einem unter Wasser stehenden Kunstrasen zu spielen, lies unsere Motivation in den Keller sinken. Da wir sowieso mit den nicht erschienenen Bosniaken spielen hätten sollen und das eine oder andere Team auch noch nicht erschienen war, zogen wir unsere Teilnahme zurück und begaben uns die Stadt. Das Turnier haben dann die Slowenen vor den Mazedoniern gewonnen. Der dritte Platz ging an Serbien, die sich gegen die Rumänen durchsetzen konnten. 

Cakes galore!
Wir pflegten inzwischen unseren Ruf als "Coffee and Cake Gooners" und besuchten das New York Café. Entschieden wärmer und trockener und die Verpflegung war mehr als in Ordnung. Außerdem wurde das Gebäude (heute ein Hotel) von einer Lebensversicherung erbaut und damit war für mich und Bad Waltersdorf eindeutig auch berufliches Interesse gegeben. Dort erwarteten wir jedenfalls unseren Präsidenten, der etwas länger brauchte, da ihn sein Navi in den falschen Bezirk der ungarischen Hauptstadt gelotst hatte.

Nach dem späten gemeinsamen Mittagessen der Fan Clubs im Restaurant Kaltenberg (muss man nicht unbedingt gewesen sein) begaben wir uns, nun schon zu viert, zum Highlight des Wochenendes. Die Arsenal Legende Perry Groves trat in einem Höraal der Corvinus Universität auf. Ein unterhaltsamer Bursche, der Perry. Von der Erzählung wie er zu Arsenal kam (und bis zuletzt glaubte sein Manager nimmt ihn auf die Schaufel), über legendäre Spiele in Anfield oder Upton Park und das eine oder andere Treffen mit einem bestimmten Lokalrivalen, dessen Namen ihm partout nicht über die Lippen kommen wollte, bis hin zu seinen Erlebnissen mit seinem Zimmergenossen Paul Merson. Wie sagt man so schön, wenn es nicht stimmt, ist es wenigstens gut erfunden. Die Fragen aus dem Publikum beantwortete er souverän und mit Witz, immer mit einem Auge auf seine Verlobte, die offenbar nicht alles wissen durfte. Er nahm auch Stellung zur Situation bei Arsenal, wobei er vor allem auf den britischen Kern als Garant für zukünftige Erfolge setzt, da diese Spieler am besten wissen, was es bedeutet für Arsenal zu spielen. Groves selbst kommt aus einer Familie von Gooners.

Gastgeber mit Perry Groves

Danach bewegte sich die Karawane zurück ins Afri Cafè, wobei ich die Gelegenheit nutzte mich von meinem Präsidenten nach Wien chauffieren zu lassen. Das Navi war damit nicht einverstanden und quittierte den Dienst, was die unentspannte Seite des MC zu Vorschein brachte. Mit Hilfe der Sterne, freundlicher Passanten und meinem unvergleichlichen Orientierungsvermögen haben wir trotzdem mein Hotel und schließlich den Heimweg gefunden.

Ich darf mich abschließend bei unseren ungarischen Gastgebern für die Idee und die Durchführung bedanken. Eine Fortsetzung folgt bestimmt und derzeit läuft gerade die Diskussion, wer nächstes Jahr den aufwendigen Job des Gastgebers übernimmt. Vielleicht wird es ja Wien oder Bad Waltersdorf. Mal sehen.

Victoria Condordia Crescit!

Montag, 21. April 2014

Ramsey ist wieder da!

Ein souveräner Sieg gegen die Stubentiger aus Hull war vor allem Beweis für eine Tatsache: Ohne längere Verletzungspause für Aaron Ramsey wäre die Saison der Gunner nicht so kollabiert. Ein Tor und 2 Assits in seinen ersten drei Premier League Spielen (plus 113 Minuten im Cup) nach der Verletzungspause sind ein deutliches Indiz was Arsenal gefehlt hat (Zahlen und Fakten). Auch Özils Beteiligung am ersten Tor macht Hoffnung, dass wir den Rest der Saison verhältnismäßig souverän meistern können. Die Stimmung ist jedenfalls gut auch wenn die Härte des Gegners dem Fass Arteta die Krone ausgeschlagen hat.
Im Hinblick auf das Cup Finale ist noch bemerkenswert, dass Jelavic und Long nicht spielen dürfen, die Hull Hummeln (Vorschlag meines Bruders) also leicht schwächer aufgestellt sein werden als gestern.

Auf die Hilfe anderer beim Kampf um den vierten Platz dürfen wir uns jedenfalls nicht verlassen. United wurde gestern von Everton einigermaßen klar besiegt. Der Zustand von den Reds aus Manchester wäre ja fast traurig wenn es nicht so lustig wäre. Dieser Text brachte mich stellenweise wirklich zum Lachen (obwohl sich die Satire in Grenzen hält). Erstaunlich bleibt für mich, wie viele minder Begabte (Stichwort Trainingsmethoden) in den höchsten Etagen des Spiels unterwegs sind. Möge Moyes jedenfalls noch lange Trainer bei United bleiben. Schön vor allem auch für van Persie, der diese Saison jedenfalls hinter Arsenal plaziert sein wird.

Arsenal hat jetzt noch zwei Heimspiele gegen Newcastle und West Bromwich und muss dann nach Norwich. Die Baggies und die Canaries sind noch abstiegsbedroht und dementsprechend nicht zu unterschätzen. Wobei das Schicksal von Norwich am letzten Spieltag vielleicht schon so oder so entschieden ist. Verliert Everton gegen City, was ich schon deswegen hoffe, damit City den Scousers noch den Titel wegschnappen kann, dann könnte das Rennen auch für uns schon im positiven Sinn gelaufen sein. Auch der Ausflug nach Southampton wird für die Blauen vom Mersey kein Sonntagsspaziergang (das Spiel ist nämlich am Samstag). Tordifferenz haben wir jedenfalls im Moment die schlechtere als die Toffies (+21 gegen +23). Zwei torreiche Heimspiele wären als im doppelten Sinn wichtig.

Nächste Woche berichten wir an dieser Stelle vom Mitteleuropatreffen der Arsenal Fan Clubs in Budapest.

Come on you Gunners!  

Sonntag, 13. April 2014

Folterkammer!

Arsenal steht im Finale des FA Cups am 17.5. in Wembley (Breaking News: Gegner ist/sind (die) Hull City/Tigers, nach einem 5:3 Sieg über Sheffield United). Der Weg dorthin war allerdings qualvoll, extrem qualvoll. Denn auch wenn Arsenal das klar bessere Team war (BEWEIS!), gelang es den Gunners nicht die Überlegenheit in klare Torchancen, geschweige denn in Tore umzuwandeln. Sanogo, der den Stürmer gab, wirkte auf mich extrem vielversprechend. Ohne Angst, mit einer beeindruckenden Physis, scheint auf den ersten Blick alles da zu sein, was einen erfolgreichen Stürmer ausmacht. Auf den zweiten Blick offenbart sich aber die Wahrheit, die da lautet, dass es sich um einen jungen Mann handelt, der in keinem der, für den Spitzenfußball notwendigen Bereiche, auch nur annähernd fertig entwickelt ist. Er ist nicht schneller als seine Gegner, verliert trotz seiner Physis mehr Zweikämpfe als er gewinnt (behaupte ich jetzt einmal ohne statistischen Beweis), wirkt wie ein Bambi, das seine Füße noch nicht unter Kontrolle hat, wenn es um die Ballbehandlung geht und lässt jegliches Timing beim Abschluss vermissen. Wie gesagt, man spürt, dass das noch was wird mit ihm, aber aktuell ist es eben zu wenig. Arsenal hat aber niemanden sonst, der einspringen kann, wenn Giroud eine Pause braucht oder taktisch nicht vollständig ins Konzept passt wie gestern. Dieses Manko muss im Sommer behoben werden.

Langer Rede kurzer Sinn, es kam wie es kommen musste. Wigan erzielte sein Tor aus einem klaren Elfer, den es aber trotzdem nicht geben hätte dürfen, weil im Spielaufbau Monreal gefoult wurde. Dabei verletzte sich der Spanier (ein Gunner durch und durch) und wurde durch Gibbs ersetzt. An diesem Punkt erreichte die Stimmung wieder einmal die Talsohle. Woher sollte dieses Team, bei aller Feldüberlegenheit, ein Tor herzaubern. Interessanterweise wirkte Arsenal nach dem Gegentreffer wacher und die letzten 10 Minuten waren unsere Besten des Spiels. Mittlerweile war auch Giroud für Podolski (der wieder einmal nicht besonders auffiel) gekommen. Und nach ein paar guten Aktionen traf Mertesacker zum hochverdienten Ausgleich.

Trotzdem war keine Entspannung in Sicht, denn auch wenn Wigan nur sehr selten gefährlich wurde, sie wären nicht die ersten gewesen, die gegen Arsenal irgendwo ein Tor hergezaubert hätten. Dementsprechend ging es qualvoll weiter, nach der regulären Spielzeit noch durch 30 Minuten Verlängerung, in der Chamberlain die Latte traf. Das war insofern bemerkenswert, als das The Ox schon ziemlich ausgelaugt wirkte und bereits den einen oder anderen Krampf hatte. Schließlich war das Spiel aber zu Ende und die Daumenschrauben wurden weiter angezogen. Elfmeterschießen. Der ultimative Test für die kardiologische Robustheit jedes Fußball Fans. Ich für meinen Teil, wollte schon das Lokal verlassen. Aber bei aller psychischen Schwächen, die die Burschen in den letzten Wochen auch gezeigt haben, dieses Elfmeterschießen bewältigten sie, wie wahre Champions. Fabianski hielt die ersten beiden Elfer von Wigan und unsere Schützen, Arteta, Kallstrom, Giroud und Cazorla verwandelten souverän und damit hatte der Spuk ein Ende. Der Titel im Cup ist zum greifen nahe. (Bonus Text: Amy Lawrence über Wengers Qualen).

Jetzt können wir uns wieder voll auf die Liga konzentrieren, wo es darum geht unsere Teilnahme an der nächsten Champions League zu sichern. Everton ist gestern mit einem Sieg an uns vorbei gezogen und daher stehen wir gegen West Ham am Dienstag schon unter starkem Druck. Es wird sich weisen, ob die physische Belastung von gestern oder psychische Auftrieb des Sieges schwerer Wigan (ich konnte nicht widerstehen). Aber Spaziergang wird das keiner, denn Sam Allerdyce liebt es Arsenal zu quälen. Er hat ja offenbar sonst keine Hobbys. Die Hammers werden jedenfalls kratzen und beißen und wie eine Wand vor ihrem Tor stehen. Je länger das Spiel dauert, desto stärker werden unsere Spieler die 120 Minuten spüren. Die Angelegenheit sollte also möglichst rasch erledigt werden.

In diesem Sinne: We are on our way, to Wembeley!

Das gelobte Stadion!