Sonntag, 18. Mai 2014

"Na dann schaun wir uns das an!"

Mit diesen Worten gab der CTO die Übertragung des FA Cup Finale im Chelsea in Wien frei (Arsenal Fans hatten sich auch im Shebeen und im Highlander versammelt). Ausgerüstet mit Fahnen und Clappers, die Arsenal den Supporter Clubs direkt aus China hatte zustellen lassen, war der Barraum mit ca. 40 erwartungsvollen Gooners gefüllt. Acht Minuten später lag Arsenal 0:2 zurück und die Stimmung war leicht abgekühlt. Der Sommelier, ein Fixstarter an der Bar des Chelsea, setze gleich einmal eine Schmerzgrenze:"Bei 5:0 für Hull gehe ich!". Wenig später verhinderte Gibbs auf der Linie das 3:0. Hull spielte gar nicht groß auf, aber irgendwie schien den Tigern (über die zoologische Zuordnung gab es den einen anderen Disput, aber ob Löwe oder Tiger ist ja eigentlich egal) alles zu gelingen, während die Gunners, wieder einmal, den Beginn eines Spiels zu verschlafen schienen.
Mehr langsam als sicher, gewann Arsenal die Kontrolle über das Spiel und es zeichnete sich ein Muster für die kommen 90 Minuten (repektive Achtung Spoiler 120) ab. Arsenal kombinierte und Hull versuchte durch taktische Fouls den Spielfluss zu unterbrechen. Es war kein übermäßig hartes Spiel, aber der Schiedsrichter, auf den wir noch zu sprechen kommen, lies den gestreiften diese Art zu verteidigen durchgehen. In der 17. Minute, gab es jedenfalls einmal einen Freistoß. Cazorla richtete sich den Ball her während im Pub darüber diskutiert wurde, ob Bergkamp oder Henry das letzte Freistoßtor für Arsenal erzielt haben. Sekunden später war der Ball im Netz und Santi hatte mit einem sehenswerten Schuss den Anschlusstreffer erzielt. Unsere Freundin, die Hoffnung, spähte ums Eck. Am Charakter des Spiels änderte da aber wenig. Unsere Burschen waren bemüht aber scheiterten immer wieder an der fehlenden Präzession. Podolski wirkte das eine oder andere Mal zu langsam, Giroud verzettelte sich immer wieder bei der Ballkontrolle. Auf der anderen Seite war Hull eher zahm. Bei einem Zweikampf von Koscielny pfiff der Schiedsrichter zum Glück Foul gegen Fryatt, sonst wäre dieser allein aufs Tor gelaufen. Viel war es nicht und damit eine der wenigen Situationen, wo Arsenal von einer Entscheidung profitierte. Zur Pause wirkten die Gooners, die sich zum Sauerstoff tanken vor das Lokal begeben hatte, allesamt etwas betropezt. Es kann halt nicht jeder das sonnige Gemüt des Kanoniers haben.

Die zweite Halbzeit setzte dort fort, wo die erste aufgehört hat, auch spielerisch. Immer wieder Halbchancen aber nichts wirklich zwingendes. Der Sommelier kredenzte inzwischen ein Craft Bier. Der Hausherr kritisierte die Stärke des Gerstensafts. Vermutlich weil er davon weniger verkaufen könnte, da die Kunden schneller betrunken sind. Zurück zum Spiel. Es folgte die lustige Regelkunde mit Lee Probert. Einmal blockt ein Hull Spieler den Ball mit beiden Händen im Strafraum. Weiterspielen. Dann der zweite nicht gegebene Elfmeter. Giroud wird von Huddlestone an der Schulter zurückgehalten. Weiterspielen. Schließlich die Entscheidende Aktion des Spiels. Sanogo kommt für Podolski und Yaya ändert sofort den Charakter des Spiels. Mit zwei Stürmern wirkte die Verteidigung von Hull überfordert und Giroud hatte endlich ein Partner für sein bevorzugtes Spiel. Die physische Präsenz des jungen Franzosen ist jedenfalls extrem beeindruckend. Es folgt zunächst der dritte nicht gegebene Elfmeter, Cazorla wird im Strafraum von den Füssen geholt. Weiterspielen. Der Ärger bleibt aber nur für wenige Minuten, denn nach einem Eckball (der auch keiner war, ein kleines Stück ausgleichende Gerechtigkeit), traf Koscielny zum 2:2. Das er dabei vom Torhüter gefoult wurde und dieser für rohes Spiel unter die Dusche geschickt gehört hätte, wollen wir einmal geflissentlich übersehen. Jedenfalls war die Stimmung im Pub am Siedepunkt, die Gooners lagen sich in den Armen und das Ende der mageren Jahre ohne Titel näherte sich. In der 79. Minute kommt dann Gibbs mitten im Strafraum frei zum Schuss, aber der Ball geht deutlich drüber. Als Arsenal Fan sieht man die Schatten vergangener Katastrophen heraufziehen. Kurz darauf der vierte und letzte nicht gegebene Elfer, diesmal ein Schubser gegen Cazorla. Weiterspielen. Und weil das alles nicht Nerven aufreibend genug war, legten die Gunners noch ein halbe Stunde Verlängerung drauf.

Die Tiger wirkten jetzt schon ziemlich müde und Arsenal drückte weiter. Vor allem Ramsey schoss eines um andere Mal, aber die Versuche erinnerten eher an die ersten Monate nach seiner Verletzung. Dann drehte Wenger weiter an der Schraube. Er nahm die kreativen, Özil und Cazorla heraus und brachte mit Rosicky und Wilshere zwei Spieler die direkter spielen konnten. Das war kurz vor dem 3 Seitenwechsel. Auch wenn Hull keine wirkliche Torchance hatte, ein Glücksschuss konnte jetzt das Finale entscheiden und Arsenal wäre ja nicht das erste Mal Opfer eines solchen geworden. Doch dann der große Moment. Der Ball kommt zu Giroud in den Strafraum, der legt den Ball mit der Ferse für Ramsey auf und der Waliser platziert den Ball exakt zischen der Hand des Torhüters und der Stange. Jetzt gab es kein Halten mehr. Der FA Pokal war zum greifen nah. Aber es wären nicht die Gunners wenn sie nicht noch einmal die Herzschrittmacher Industrie gefördert hätten. Mertesacker rutschte aus und plötzlich tauchte Fabianski auf, meilenweit von seinem Tor entfernt und wurde prompt vom Hull Spieler umrundet. Der Schuss näherte sich der Torlinie, Gibbs verfehlte den Ball aber der Ball rollte weiter, auch an der zweiten Stange vorbei uns ins Out. Der Pole musste dann noch einen Schuss halten aber schließlich folgte der erlösende Schlusspfiff. Wir lagen uns in den Armen, der Sommelier küsste alle Anwesenden (zumindest die ihm persönlich bekannt waren).

Arsenal ist FA Cup Sieger 2014! Nach langer Zeit sind wir endlich am Ziel. Sowohl für diesen Blog als auch für mich als Arsenal Fan (Mitglied seit 2006) ist es der erste Titel. Es war ein beeindruckender Lauf im Pokal, mit Siegen gegen Sp*rs, Liverpool und Everton. Arsenal hat dabei kein einziges Spiel außerhalb Londons ausgetragen. Arsène Wenger hat mehr FA Pokale (5) gewonnen als alle anderen Arsenal Trainer zusammen. Die Art des Sieges gestern ist jedenfalls das fehlende Mosaikstein, denn Arsenal gebraucht hat, um wieder ganz oben mitzuspielen. Der Bann ist gebrochen und mit den richtigen Verstärkungen im Sommer geht The Arsenal einer blühenden Zukunft entgegen.

Victoria Concordia Crescit!

Unser Tip
  

Donnerstag, 1. Mai 2014

Extra Hungariam non escht vitam!*

* aus "Ungarische Schöpfungsgeschichte" von Peter Hammerschlag.


Unter dem etwas sperrigen Titel "Central Eastern European Arsenal Supporters Clubs Meeting" haben sich die offiziellen Arsenal Fan Clubs aus Rumänien, Bulgarien, Slowenien, Kroatien, Serbien, Mazedonien, Polen, Österreich (Wien) und natürlich Ungarn mit teils stattlichen Gruppen zusammengefunden, um den Kontakt untereinander in diesem Teil des Kontinents zu verbessern. Die Österreicher, also wir, mit einer der kürzesten Anreisen (nach den Ungarn logischerweise) waren zunächst nur zu zweit. Meine Wenigkeit und Mr. Bad Waltersdorf, unser Kassier, der mich aus Wien abholte. Auf der gemeinsamen Fahrt erfuhr ich viel, über die Entstehung und Frühgeschichte der Vienna Gooners und über die Anfänge von Arsenals Trainingslagern in Bad Waltersdorf. Das wird wahrscheinlich ein eigener Blogpost werden. Der Präsident MC folgte (mit reizender Begleitung) am nächsten Tag, ebenso wie Cider Man. Klein aber fein aber, gemessen an der Größe unseres Fan Clubs, auch etwas mager.

Am Freitag Nachmittag trafen die Delegationen nach und nach im Afri Café ein, einem Kellerlokal in einem Gebäude der Universität mit dezent afrikanischer Dekoration. Dominiert wurden die Räume aber bald von rot und weiß, sowie gelb und blau. Für mich erwies sich die Anwesenheit von Mr. Bad Waltersdorf als sehr hilfreich, weil er einige der anderen Fans bereits von diversen Arsenal Trainingslagern in der Steiermark kannte und so die Kontaktaufnahme erleichterte. Die gemeinsame Sprache war Englisch und nicht jeder fühlte sich sicher genug um mit Arsenal Fans außerhalb seines Clubs Kontakt aufzunehmen. Nachdem die Gruppen alle da waren, bis auf Bosnien hatten es alle in mehr oder weniger gutem Zustand geschafft, wurde mit dem offiziellen Programm begonnen. Zunächst stellten sich die einzelnen Clubs vor, teils mit Power Point Präsentation (wie eigentlich vereinbart, ähem). Beeindruckend waren die Mitgliederzahlen der Kroaten (jenseits der 300) und der Mazedonier (ca. 400). Selbst wenn man die beiden österreichischen Clubs (Wien und Tirol) zusammennimmt, gehören wir also eher zu den kleinen. Nimmt man allerdings nur regelmäßig zahlende Mitglieder und davon wiederum die, die sich Woche für Woche im Pub treffen, dann liegen wir alle wieder recht eng beisammen (zwischen 10 und 20). Die Präsidentin von Arsenal Kroatien berichtete zudem, dass Eduardo bei Ihnen Ehrenmitglied ist und der Kontakt mit ihm auch zu Berichten in den nationalen Medien geführt hat. Ansonsten werden Arsenal Spiele besucht, hauptsächlich auswärts und Arsenal Spieler die mit der Nationalmannschaft im eigenen Land zu Gast sind am Flughafen begrüßt (vor allem der Mazedonier sind da sehr fleißig).
Danach folgte ein Arsenal Quiz. Auf Grund unsere geringen Mannstärke konnten wir zum einen nur auf einen kleineren Wissenspool zurückgreifen, zu anderen waren wir bei den Fragen, die durch Zuruf entschieden wurden, auch stimmmäßig unterlegen. Lediglich der Auftritt des Kanoniers beim pantomimischen Darstellen von Mesut Özil blieb allen Anwesenden in Erinnerung, weil dabei meine Brille in hohem Bogen davon flog. Voller Körpereinsatz halt. Es war jedenfalls abwechslungsreich und lustig und die Mazedonier holten sich schließlich den Sieg. Danach folgte der zwanglose Ausklang.

Wand der Sieger

Am nächsten Tag war relativ früh Tagwache, da wir im Trainingszentrum des Ferencváros Torna Club zum Fußballturnier antreten mussten. Eine beeindruckende Anlage mit viel Flair. Außerdem war es interessant zu beobachten wie die Sportler (Fußball, Schwimmer, Handballer, usw...) der verschiedensten Disziplinen in jeder Altersstufe von und zu ihren Trainings wanderten.
Das Wetter war leider bescheiden, starker Regen und niedrige Temperaturen, dazu die Aussicht auf einem unter Wasser stehenden Kunstrasen zu spielen, lies unsere Motivation in den Keller sinken. Da wir sowieso mit den nicht erschienenen Bosniaken spielen hätten sollen und das eine oder andere Team auch noch nicht erschienen war, zogen wir unsere Teilnahme zurück und begaben uns die Stadt. Das Turnier haben dann die Slowenen vor den Mazedoniern gewonnen. Der dritte Platz ging an Serbien, die sich gegen die Rumänen durchsetzen konnten. 

Cakes galore!
Wir pflegten inzwischen unseren Ruf als "Coffee and Cake Gooners" und besuchten das New York Café. Entschieden wärmer und trockener und die Verpflegung war mehr als in Ordnung. Außerdem wurde das Gebäude (heute ein Hotel) von einer Lebensversicherung erbaut und damit war für mich und Bad Waltersdorf eindeutig auch berufliches Interesse gegeben. Dort erwarteten wir jedenfalls unseren Präsidenten, der etwas länger brauchte, da ihn sein Navi in den falschen Bezirk der ungarischen Hauptstadt gelotst hatte.

Nach dem späten gemeinsamen Mittagessen der Fan Clubs im Restaurant Kaltenberg (muss man nicht unbedingt gewesen sein) begaben wir uns, nun schon zu viert, zum Highlight des Wochenendes. Die Arsenal Legende Perry Groves trat in einem Höraal der Corvinus Universität auf. Ein unterhaltsamer Bursche, der Perry. Von der Erzählung wie er zu Arsenal kam (und bis zuletzt glaubte sein Manager nimmt ihn auf die Schaufel), über legendäre Spiele in Anfield oder Upton Park und das eine oder andere Treffen mit einem bestimmten Lokalrivalen, dessen Namen ihm partout nicht über die Lippen kommen wollte, bis hin zu seinen Erlebnissen mit seinem Zimmergenossen Paul Merson. Wie sagt man so schön, wenn es nicht stimmt, ist es wenigstens gut erfunden. Die Fragen aus dem Publikum beantwortete er souverän und mit Witz, immer mit einem Auge auf seine Verlobte, die offenbar nicht alles wissen durfte. Er nahm auch Stellung zur Situation bei Arsenal, wobei er vor allem auf den britischen Kern als Garant für zukünftige Erfolge setzt, da diese Spieler am besten wissen, was es bedeutet für Arsenal zu spielen. Groves selbst kommt aus einer Familie von Gooners.

Gastgeber mit Perry Groves

Danach bewegte sich die Karawane zurück ins Afri Cafè, wobei ich die Gelegenheit nutzte mich von meinem Präsidenten nach Wien chauffieren zu lassen. Das Navi war damit nicht einverstanden und quittierte den Dienst, was die unentspannte Seite des MC zu Vorschein brachte. Mit Hilfe der Sterne, freundlicher Passanten und meinem unvergleichlichen Orientierungsvermögen haben wir trotzdem mein Hotel und schließlich den Heimweg gefunden.

Ich darf mich abschließend bei unseren ungarischen Gastgebern für die Idee und die Durchführung bedanken. Eine Fortsetzung folgt bestimmt und derzeit läuft gerade die Diskussion, wer nächstes Jahr den aufwendigen Job des Gastgebers übernimmt. Vielleicht wird es ja Wien oder Bad Waltersdorf. Mal sehen.

Victoria Condordia Crescit!

Montag, 21. April 2014

Ramsey ist wieder da!

Ein souveräner Sieg gegen die Stubentiger aus Hull war vor allem Beweis für eine Tatsache: Ohne längere Verletzungspause für Aaron Ramsey wäre die Saison der Gunner nicht so kollabiert. Ein Tor und 2 Assits in seinen ersten drei Premier League Spielen (plus 113 Minuten im Cup) nach der Verletzungspause sind ein deutliches Indiz was Arsenal gefehlt hat (Zahlen und Fakten). Auch Özils Beteiligung am ersten Tor macht Hoffnung, dass wir den Rest der Saison verhältnismäßig souverän meistern können. Die Stimmung ist jedenfalls gut auch wenn die Härte des Gegners dem Fass Arteta die Krone ausgeschlagen hat.
Im Hinblick auf das Cup Finale ist noch bemerkenswert, dass Jelavic und Long nicht spielen dürfen, die Hull Hummeln (Vorschlag meines Bruders) also leicht schwächer aufgestellt sein werden als gestern.

Auf die Hilfe anderer beim Kampf um den vierten Platz dürfen wir uns jedenfalls nicht verlassen. United wurde gestern von Everton einigermaßen klar besiegt. Der Zustand von den Reds aus Manchester wäre ja fast traurig wenn es nicht so lustig wäre. Dieser Text brachte mich stellenweise wirklich zum Lachen (obwohl sich die Satire in Grenzen hält). Erstaunlich bleibt für mich, wie viele minder Begabte (Stichwort Trainingsmethoden) in den höchsten Etagen des Spiels unterwegs sind. Möge Moyes jedenfalls noch lange Trainer bei United bleiben. Schön vor allem auch für van Persie, der diese Saison jedenfalls hinter Arsenal plaziert sein wird.

Arsenal hat jetzt noch zwei Heimspiele gegen Newcastle und West Bromwich und muss dann nach Norwich. Die Baggies und die Canaries sind noch abstiegsbedroht und dementsprechend nicht zu unterschätzen. Wobei das Schicksal von Norwich am letzten Spieltag vielleicht schon so oder so entschieden ist. Verliert Everton gegen City, was ich schon deswegen hoffe, damit City den Scousers noch den Titel wegschnappen kann, dann könnte das Rennen auch für uns schon im positiven Sinn gelaufen sein. Auch der Ausflug nach Southampton wird für die Blauen vom Mersey kein Sonntagsspaziergang (das Spiel ist nämlich am Samstag). Tordifferenz haben wir jedenfalls im Moment die schlechtere als die Toffies (+21 gegen +23). Zwei torreiche Heimspiele wären als im doppelten Sinn wichtig.

Nächste Woche berichten wir an dieser Stelle vom Mitteleuropatreffen der Arsenal Fan Clubs in Budapest.

Come on you Gunners!  

Sonntag, 13. April 2014

Folterkammer!

Arsenal steht im Finale des FA Cups am 17.5. in Wembley (Breaking News: Gegner ist/sind (die) Hull City/Tigers, nach einem 5:3 Sieg über Sheffield United). Der Weg dorthin war allerdings qualvoll, extrem qualvoll. Denn auch wenn Arsenal das klar bessere Team war (BEWEIS!), gelang es den Gunners nicht die Überlegenheit in klare Torchancen, geschweige denn in Tore umzuwandeln. Sanogo, der den Stürmer gab, wirkte auf mich extrem vielversprechend. Ohne Angst, mit einer beeindruckenden Physis, scheint auf den ersten Blick alles da zu sein, was einen erfolgreichen Stürmer ausmacht. Auf den zweiten Blick offenbart sich aber die Wahrheit, die da lautet, dass es sich um einen jungen Mann handelt, der in keinem der, für den Spitzenfußball notwendigen Bereiche, auch nur annähernd fertig entwickelt ist. Er ist nicht schneller als seine Gegner, verliert trotz seiner Physis mehr Zweikämpfe als er gewinnt (behaupte ich jetzt einmal ohne statistischen Beweis), wirkt wie ein Bambi, das seine Füße noch nicht unter Kontrolle hat, wenn es um die Ballbehandlung geht und lässt jegliches Timing beim Abschluss vermissen. Wie gesagt, man spürt, dass das noch was wird mit ihm, aber aktuell ist es eben zu wenig. Arsenal hat aber niemanden sonst, der einspringen kann, wenn Giroud eine Pause braucht oder taktisch nicht vollständig ins Konzept passt wie gestern. Dieses Manko muss im Sommer behoben werden.

Langer Rede kurzer Sinn, es kam wie es kommen musste. Wigan erzielte sein Tor aus einem klaren Elfer, den es aber trotzdem nicht geben hätte dürfen, weil im Spielaufbau Monreal gefoult wurde. Dabei verletzte sich der Spanier (ein Gunner durch und durch) und wurde durch Gibbs ersetzt. An diesem Punkt erreichte die Stimmung wieder einmal die Talsohle. Woher sollte dieses Team, bei aller Feldüberlegenheit, ein Tor herzaubern. Interessanterweise wirkte Arsenal nach dem Gegentreffer wacher und die letzten 10 Minuten waren unsere Besten des Spiels. Mittlerweile war auch Giroud für Podolski (der wieder einmal nicht besonders auffiel) gekommen. Und nach ein paar guten Aktionen traf Mertesacker zum hochverdienten Ausgleich.

Trotzdem war keine Entspannung in Sicht, denn auch wenn Wigan nur sehr selten gefährlich wurde, sie wären nicht die ersten gewesen, die gegen Arsenal irgendwo ein Tor hergezaubert hätten. Dementsprechend ging es qualvoll weiter, nach der regulären Spielzeit noch durch 30 Minuten Verlängerung, in der Chamberlain die Latte traf. Das war insofern bemerkenswert, als das The Ox schon ziemlich ausgelaugt wirkte und bereits den einen oder anderen Krampf hatte. Schließlich war das Spiel aber zu Ende und die Daumenschrauben wurden weiter angezogen. Elfmeterschießen. Der ultimative Test für die kardiologische Robustheit jedes Fußball Fans. Ich für meinen Teil, wollte schon das Lokal verlassen. Aber bei aller psychischen Schwächen, die die Burschen in den letzten Wochen auch gezeigt haben, dieses Elfmeterschießen bewältigten sie, wie wahre Champions. Fabianski hielt die ersten beiden Elfer von Wigan und unsere Schützen, Arteta, Kallstrom, Giroud und Cazorla verwandelten souverän und damit hatte der Spuk ein Ende. Der Titel im Cup ist zum greifen nahe. (Bonus Text: Amy Lawrence über Wengers Qualen).

Jetzt können wir uns wieder voll auf die Liga konzentrieren, wo es darum geht unsere Teilnahme an der nächsten Champions League zu sichern. Everton ist gestern mit einem Sieg an uns vorbei gezogen und daher stehen wir gegen West Ham am Dienstag schon unter starkem Druck. Es wird sich weisen, ob die physische Belastung von gestern oder psychische Auftrieb des Sieges schwerer Wigan (ich konnte nicht widerstehen). Aber Spaziergang wird das keiner, denn Sam Allerdyce liebt es Arsenal zu quälen. Er hat ja offenbar sonst keine Hobbys. Die Hammers werden jedenfalls kratzen und beißen und wie eine Wand vor ihrem Tor stehen. Je länger das Spiel dauert, desto stärker werden unsere Spieler die 120 Minuten spüren. Die Angelegenheit sollte also möglichst rasch erledigt werden.

In diesem Sinne: We are on our way, to Wembeley!

Das gelobte Stadion!
   

Sonntag, 6. April 2014

Ist das das Ende?

Das heutige Spiel gegen Everton war in vielerlei Hinsicht eine Bankrotterklärung. Die Gunners hatten einem Guten aber bei weitem nicht überragenden Gegner kaum etwas entgegensetzen. In der Defensive wirkten sie wie Zuseher, vor allem beim 2:0 von Lukaku, der de facto niemanden überspielen musste, sondern einfach so lange am Strafraum entlanglief, bis die Lücke für einen Schuss aufgegangen war. Bitte nach Ihnen Sir! In der Offensive ging es, selten aber doch, recht anmutig bis zum Strafraum, dort waren die Spieler mit ihrem Latein aber meistens am Ende und so entstanden kaum brauchbare Torchancen.

Damit ist Platz 4. alles andere als sicher. Theoretisch kann Everton uns überholen, wenn sie alle ihre kommenden Spiele gewinnen (was trotz allem eher unwahrscheinlich ist). Außerdem ist heute deutlich geworden, dass in diesem Team kein Funken Selbstbewusstsein mehr vorhanden ist. Wenn Wigan sich etwas traut und im schlimmsten Fall sogar in Führung geht, dann habe ich, Stand heute, wenig Hoffnung, dass Arsenal als Sieger vom Platz geht. Den unter normalen Umständen (Kader, Leistungsvermögen, usw...) hätten wir auch heute nicht verlieren dürfen, schon gar nicht so klar. Bei allem Respekt vor der Leistung von Everton, das ist nach wie vor keine Übermannschaft. Aber vielleicht unterschätzt uns Wigan ja, wenn sie das Spiel heute verfolgt haben. (Achtung: Galgenhumor).

Damit steht auch die Ära Wenger auf der Kippe. Denn nach dem heutigen Auftritt muss sich der Trainer fragen, ob er das Team noch erreicht. Dabei gehe ich noch immer davon aus, dass Wenger nicht über Nacht jedes Verständnis für Fußball verloren hat. Das schlimmste aber wäre ein plötzliches Ende seiner Karriere bei Arsenal, bei dem der Klub nicht die Möglichkeit hat, einen ordentlichen Nachfolgeprozess einzuleiten und das Arsenal, wie so viele andere Klubs, dadurch zu einem Trainerkarussel verkommt.

Hoffen wir also das Beste und das ist ein Einzug ins FA Cup Finale!

Victoria, Concordia, Crescit!

Sonntag, 30. März 2014

Zur Lage der Nation!

Nicht viel Zeit, daher nur ein paar kurze Gedanken zur Lage der Arsenal Nation.
Nach der Niederlage gegen Chelsea war die Stimmung in Lager der Gunners verständlicher Weise im Keller. Sie wurde durch den unglücklichen Ausgleich gegen Swansea unter der Woche naturgemäß nicht gehoben. Das Titelrennen ist damit wohl gelaufen und da Man Shity, Chelski und die Liverfools recht knapp beisammen sind, sind auch die Chancen auf einen anderen als den vierten Platz überschaubar. Sollten wir nächste Woche gegen Everton auswärts 3 Punkte holen, dann wäre zumindest dieser vierte Platz in mehr oder weniger trockenen Tüchern. Die Blauen vom Mersey haben sich jedenfalls gegen Fulham heute nicht nicht Ruhm bekleckert, also ist Angst unangebracht.

Das Spiel gegen City lief in der der zweiten Halbzeit ganz gut, nachdem in der ersten noch die Nachwehen der letzten Wochen zu spüren waren. Gemessen an unserer Verletzten Liste, haben wir dem wahrscheinlichen Meister, da lege ich mich einmal fest, Paroli geboten und konnten nach längerer Zeit wieder mit erhobenem Haupt das Feld verlassen. Es ist also nicht alles schlecht im Staate Arsenal, geschweige den faul. Die Frage ob Wenger wirklich am Ende ist, wieder einmal, wird uns in den kommenden Monaten trotzdem weiter beschäftigen.

Im Moment ist der Hype um Brendan Rogers ziemlich groß und das ist auf den ersten Blick nicht ganz unverständlich. Auch für Arsenal ist Liverpool insofern als Vergleichsmarke interessant, da durch einen ebenfalls aus den U.S.A. Stammenden Eigentümer, eine ähnliche Transferpolitik gefahren wird (im Hinblick auf die Ausgaben).
Natürlich steht Liverpool im Moment besser da. Sie spielen einen ansehnlichen Fußball und bleiben nach dem Sieg gegen Deppenham ganz vorne dabei, im Titelrennen. Wirft man einen Blick auf die Neuzugänge, so sind keine besonderen Namen darunter, also keine Stars (wie zum Beispiel Mesut Özil). Das bedeutet, der aktuelle Lauf beruht auf einem bereits vorhandenen Team dessen Neuzugänge letztes Jahr, unter anderem Coutinho und Sturridge, auch nicht aus dem obersten Regal waren. Trotzdem leisten sie einen wertvollen Beitrag, vor allem weil sie fit sind. Die Reds haben kaum mit Verletzungssorgen zu kämpfen. Und bevor jetzt wieder jemand auf die Idee kommt, Arsenal für die Verletzungen zu kritisieren, sollte er einen Blick auf die Zahl der Spiele werfen die die beiden Clubs absolvieren mussten. Liverpool profitiert also in erster Linie von der Tatsache, dass sie sich voll auf die Liga konzentrieren können während die Gunners Champions League gespielt haben und im Semi Finale des FA Cups stehen.
Besonders innovativ sieht das Spiel des ehemaligen Rekordmeisters trotzdem nicht aus. Sie verlassen sich auf die Geschwindigkeit von Suarez, Sturridge und gelegentlich Sterling und ansonsten spielen sie über die Außen und Flanken fröhlich vor sich hin. Schwerlich eine taktische Revolution. Und zwei von drei Mal, haben wir sie geschlagen, also auch Arsène scheint noch den einen oder anderen Trick zu kennen.

Natürlich hätten wir unseren Kader entsprechend aufstocken müssen, denn die relativ dünne Personaldecke war offensichtlich. Neben den Verletzungen ist auch die Müdigkeit bei Spielern wie Giroud, der kaum eine Pause bekam, eine logische Folge davon. Aber in unserem Zeitplan, den wir seit vielen Jahren kennen und verfolgen, ist dieser Sommer der, wo wir voll ins Transfergeschehen eingreifen wollen. Dabei sollten wir zwar die starke Konkurrenz nicht unterschätzen (alleine United braucht ein ganzen Haufen neuer Spieler und ist bereit dafür viel Geld auszugeben) aber ein echtes Problem haben wir erst, wenn wir Mitte August wieder mit einem 18 jährigen, verletzten Franzosen aus der Ligue 2 dastehen und hoffen, dass das schon gut gehen wird.

Also Kopf hoch, es liegt noch einiges vor uns! COYG!
   

Samstag, 22. März 2014

Demütigung!

Meine Prognose war falsch. Leider. Das Spiel war nicht fad. Zumindest nicht die erste Halbzeit. Einmal mehr haben die Gunners ein Spiel, das um 12:45 GMT angepfiffen wurde verloren und einmal mehr in einer Weise die einen daran zweifeln lässt, dass diese Spieler in der richtigen Sportart tätig sind. Aber an anderer Stelle zeigen ebendiese Spieler, dass sie es sehr wohl können. Woran liegt es also?

An den vielen Ausfällen?
Das hat sicher nicht geholfen, aber als ich die Aufstellung vor dem Spiel gesehen habe, dachte ich nicht an eine Niederlage, schon gar nicht an eine solche. In Liverpool und bei City waren wir im übrigen personell nicht so geschwächt, unter dem Strich war die Ausbeute die selbe. Daher ist auch der aufgetauchte Einwand, dass unsere "Geiz ist geil!" Transferpolitik schuld ist, zu kurz gegriffen. Für den Gewinn des Titels mag es zu wenig sein, aber in Spielen gegen starke Gegner muss man deswegen nicht so untergehen.

An der Taktik?
Wie schon gegen Liverpool fällt es mir auch heute schwer, die Taktik dafür verantwortlich zu machen, dass das Spiel nach wenigen Minuten de facto verloren war. Ähnliches gilt übrigens für das Heimspiel gegen Bayern, dass ich gerne mit 11 gegen 11 über 90 Minuten gesehen hätte. Natürlich kann man diskutieren, warum Flamini nicht spielte, aber auf der anderen Seite habe ich mich gefreut, dass wir ein bisschen was riskieren und nicht mir Arteta und Flamini spielen. Hätte Oxlade-Chamberlain heute in Normalform gespielt, dann wäre uns der Untergang wahrscheinlich erspart geblieben und wir hätte nicht über die Taktik diskutiert oder zumindest aus einem anderen Grund.
Auf die Analysen der Experten bin ich jedenfalls gespannt.

Ist Giroud schuld?
Das Spiel wäre wahrscheinlich anders gelaufen, hätte er die erste Chance des Spiels genutzt. In der Wiederholung konnte man sehen, dass er den Ball nicht ordentlich getroffen hat, andernfalls hätte Chech vermutlich keine Chance gehabt, denn selbst an diesen Ball kam er nur knapp dran. Auf der anderen Seite hat Arsenal nach Vorne kaum etwas gezeigt und schon im Aufbau häufig den Ball verloren. Da hätte auch Monaldo oder Ressi nicht viel tun können.

Passt die Vorbereitung auf den frühen Kick Off nicht?
Auf der einen Seite kann man ein Muster erkennen und sollte sich das vielleicht ansehen. Auf der anderen Seite haben wir da ber regelmäßig gegen Top 4 Mannschaften gespielt und daher ist es wahrscheinlicher, dass das das Problem ist. Nächste Woche gegen City beginnen wir um 17:30 GMT. Danach wissen wir mehr.

Abschließend ein paar Worte zum Ausschluss (Gibbs musste gehen obwohl eindeutig Chamberlain das fragliche Handspiel begangen hatte). Wie es im Jahr 2014 passieren kann, dass ein Team von vier Profischiedsrichtern nicht in der Lage ist, eine solche Entscheidung richtig zu treffen, wobei man sogar diskutieren kann ob es überhaupt rot war (der Ball war nicht eindeutig am Weg ins Tor, was notwendig gewesen wäre, für diese Entscheidung), bleibt mir ein Rätsel. Auch die Unfähigkeit, die Entscheidung zu korrigieren, wenn der betroffen Spieler schon sagt, dass er das Vergehen begangen hat, zeigt einigen Verbesserungsbedarf in der Art und Weise, wie Spiele geleitet werden sollten.

Wenger hat jedenfalls die Schuld auf sich genommen (hier), vielleicht erfahren wir in den nächsten Tagen mehr. Wie auch immer, vor der Saison hätte eine große Mehrheit der Arsenal Fans eine Top 4 Platzierung und den FA Cup als Erfolg sofort genommen. Sollten wir den Cup also holen und die restlichen Liga Spiele mit Anstand über die Runden bringen, woran ich trotz heute kaum Zweifel habe (also am Anstand, den Cup verknofle ich hier sicher nicht), dann verbuche ich diese Saison unter Erfolg. Im Sommer sollten wir dann erstmals unsere neue Finanzkraft umgesetzt sehen.
 
PS: Zu Post "Millenium" gibt es übrigens ein paar Links als Bonus Lesestoff!

Victoria concordia crescit!