Samstag, 27. September 2014

Grand Tour I

Das erste Auswärtsspiel in der Premier League führte mich nach Liverpool, genauer gesagt in den Goodison Park. Ich kam mit dem Zug aus Manchester, in dem auch ein weiterer Arsenal Fan saß, der mich am Bahnhof in Liverpool fragte, ob ich auch zum Spiel gehe (ich hatte nur meinen rot-weißen Schal um, hätte also auch ein Liverpool Supporter sein können). Wie das so ist in der großen Arsenal Familie, waren wir uns auf Anhieb sympathisch und haben uns ein Taxi zu einem Pub geteilt. Alleine wäre ich direkt ins Stadion gefahren, aber so war ich zu jeder Schandtat bereit. Der Taxifahrer, selbst ein Liverpool Fan, klärte uns auf, dass die Pubs, die bei den Heimspiel des LFC die Reds beherbergten, bei den Spielen der Toffees von den Gästefans genutzt werden. Und so kam ich in den Genuss des üblich Gooners Warm Up, mit zahlreichen Fan Gesängen die sich in erster Linie mit unseren in vielerlei Hinsicht zurückgebliebenen Nachbarn beschäftigen. Keith der Superfan war natürlich auch da. Das Pub war vielleicht 100m von der Anfield Road entfernt, der Goodison Park befindet sich einfach auf der anderen Seite des Stanley Parks. Distanzmäßig sicher eine der engsten Rivalitäten im Fußball. Also benötigten wir nur einen kurzen Fußmarsch um zum Stadion zu kommen.

Stanley Park
Goodison

Dort verwehrte mir das elektronische Zugangssystem den Eintritt (ziemlich schmerzhaft so eine Kollision mit einem sturen Drehkreuz), also musste ich ein Ersatzticket lösen, was allerdings sehr schnell erledigt war (auch Season Ticket Holder von Everton waren betroffen und wirkten nicht besonders überrascht). Am Rückweg zum Einlass traf ich noch Jill Smith, die es in der Pension offenbar genießt, zu einem Spiel gehen zu können, ohne sich um irgendetwas oder irgendjemanden kümmern zu müssen.

Im Stadion begab ich mich auf meinen Platz, der nahezu ideal war um sowohl den eigenen Support zu genießen, als auch den Heimsupport der Blauen zu beobachten (der allerdings eher lahm war, worauf sie auch regelmäßig von den Gooners erinnert wurden (Shall we sing a song for you?).

Vor dem Spiel
Die schweigende Mehrheit

Das Spiel verlief weniger erfreulich. Ich fand uns zwar bestimmend, aber nachdem wir aus einem der ersten hohen Bälle das 0:1 erhielten änderte sich das Spiel und Everton war gefährlicher trotzdem wir nach wie vor überlegen waren (Spielanteil und so). Schließlich fiel aus einem Konter das 2:0, wobei Naysmith deutlich im Abseits stand, aber die Spielregeln waren nicht so die Stärke des Mannes in Gelb. Nach dem Seitenwechsel kam Giroud für Sanchez und sofort waren wir gefährlicher. Auch wenn sich ein junger Fan vor mir über die erste vergeben Chance von Olivier aufregte, aber wir hatten wenigsten welche. Everton war nur noch damit beschäftigt Zeit zu schinden (so klein ist der Ball nicht, dass man ihn ständig suchen muss) und zog sich immer weiter zurück, Arsenal drückte nach und schließlich traf Ramsey zum 1:2. Hoffnung machte sich im Sektor breit und als schließlich der Ausgleich durch Giroud fiel, gab es kein Halten mehr und die blauen Scousers wurden auf ihr Versagen noch einmal deutlich hingewiesen.

video

Das Champions League Spiel gegen Besiktas konnte ich nur über den Live Ticker verfolgen. Schon interessant, dass es daheim einfacher ist alle Spiel der Gunners zu verfolgen als in England. Wie auch immer, der Arseblog Liveblog war nervenaufreibend genug vor allem die letzten Minuten. Mit der 17. Teilnahme in der Tasche konnten sich die Gunners der nächsten Aufgabe in der Liga widmen.

Das Auswärtsspiel in Leicster haben ich und die Kanonierin in einem Pub in York gesehen. Eine mäßiger Auftritt der Gunners, da half es auch nicht, dass Koscielny nach einem Zusammenstoß aufgeben musste. Arsenal war da schon durch Sanchez in Führung gegangen nachdem Sanogo ein Schupferl von Cazorla nicht richtig verwerten konnte in seiner unnachahmlich bambiesken Art. Kurz darauf aber eine Konter über die linke Seite, Flanke und Tor. Den Rest der Partie quälte sich Arsenal ein flüssiges Passspiel aufzubauen, scheiterte aber. Trotz mehr Ballbesitz, mehr vollständiger Pässe, mehr Torschüssen und Schüssen auf das Tor ist bei Arsenal Sand im Getriebe und es bleibt eine Anfälligkeit bei Kontern. So werden wir nicht Meister!

Ob sich am Transfermarkt noch etwas tut bis Montag? Ich hatte die Freude diesen Tag des Heiligen Sky Tickers in England zu verbringen und die Spannung die über dem ganzen Land liegt ist kaum auszuhalten. Für Arsenal schien sich aber nichts zu tun und Wenger war in Rom. Letzten Endes hat aber gerade dieser Ausflug dazu geführt, dass wir statt dem benötigten Verteidiger doch noch einen Stürmer gekauft haben, nämlich Danny Welbeck der praktischerweise mit der englischen Nationalmannschaft am Trainingsgelände von Arsenal zu Gast war. Gemessen an den Reaktionen der United Fans jedenfalls eine gute Akquisition. Es folgte eine internationale Pause von 2 Länderspielen (wo wir unseren Neo Gooner gleich in Aktion bewundern konnten) und dann ging das wahre Leben wieder los.

Wir waren inzwischen in Liverpool angekommen und so bin ich am Samstag in der Früh in den Zug gestiegen um zum Heimspiel gegen Manchester City zu reisen. Am Bahnhof habe ich mich mit der Daily Telegraph und dem neuen Buch von Ian Rankin ausgestattet. Dabei ist mir ein kleiner Ladendiebstahl passiert, da dass Buch eine Beigabe zur Zeitung war, aber ich beim self check out nicht überzuckert habe, dass man es trotzdem extra scannen muss. Erwischt wurde ich nicht (so viel zu den vielen CCTV Kameras) und drauf gekommen bin ich eigentlich auch erst im Zug. Die Angelegenheit konnte mittlerweile mit der WH Smith gelöst werden, sie verzichten auf die Überweisung der GBP 2,99.

In London hatte ich dann gemütlich Zeit von Euston nach Kings Cross zu spazieren und ein bisschen Metropolen Luft zu schnuppern nach den vielen Tagen am Land und in Provinzstädten. Es fühlt sich wirklich schon wie eine zweite Heimat an. Dann ging es mit der U-Bahn zur Holloway Road um bei Piebury Corner Station zu machen und dann zum Stadion.

Piebury Corner
"The Geordie Amstrong"
"We are the North Bank..."

Ich hatte diesmal eine Karte von einem Freund und so die Ehre zum ersten Mal auf der North Bank zu stehen also quasi im harten Kern der Arsenal Fans. Dort wird, wie erwähnt gestanden, und auch mehr gesungen. Das Spiel war spannend, Arsenal wirkte sehr stark allerdings ging sehr viel durch die Mitte. Es war aus der Perspektive richtig spannend zu sehen wie die Angriffe sich immer stärker verengten. Welbeck zeigte bei der Gelegenheit, dass er fußballerisch perfekt zu uns passt und hatte dann auch eine Riesenchance bei der er den Ball über Hart lupfte, aber leider nur die Stange traf. Dann hatte auch City einen Torschuss nach einem Konter und Arsenal war 0:1 hinten. Irgendwann nutzt sich die Pointe wirklich ab. Die Stimmung war dann etwas gedämpft und City kam zu weiteren Chancen. In der zweiten Halbzeit nahmen die Gunners dann wieder Fahrt auf. Arsenal spielte nun auf das Clock End zu, womit die Tiefe der Angriffe schwerer einzuschätzen war. Das 1:1 durch Wilshere war für mich vor allem dadurch zu erkennen, das genau in meiner Sichtachse ein Arsenal Spieler die Arme hochriss, als Jack den Ball über Hart hob. Arsenal war wieder am Drücker und ließ weitere Angriffe folgen. Das 2:1 war dann schön zu erkennen, weil Sanchez wieder in dieser Sichtachse stand und man sehr schön beobachten konnte wie er sich in der Erwartung des Passe von Wilshere positioniere und zum tödlichen Schuss aufrieb. Volle Ekstase auf der North Bank. Dann passierte das nächste unvermeidliche, ein Arsenal Verteidiger (Debuchy) verletzte sich. Es war klar, dass was Schlimmeres passiert sein musste, da nicht nur die Trage sondern auch Sauerstoff auf das Feld gebracht wurde. Chambers kam stattdessen herein und diese Umstellung und die mangelnde Konzentration wegen der Verletzung des Kameraden nutze City sofort aus. Chambers stand noch nicht perfekt und konnte eine Flanke nur zum Eckball klären. Aus dem resultierenden Eckball köpfte DeMichelis dann den unverdienten Ausgleich. Szczesny und Flamini sahen bei dem Treffer nicht gut aus und das der überwuzelte Rübezahl aus Argentinien nicht gedeckt wurde, half auch nicht. Ein starkes Spiel von Arsenal, dem Titelverteidiger und Mitfavoriten für diese Saison mehr als ebenbürtig und trotzdem 2 Punkte verloren.

Die Stimmung im Emirates war jedenfalls ausgezeichnet und Arsenal braucht sich nicht verstecken vor anderen Teams.
Die Heimreise gestaltete sich etwas schwieriger als erwartet. Zuerst ein längerer Fußmarsch Richtung Islington&Highbury, soweit so gut. Ausreichend Zeit um den Zug nach Liverpool zu erreichen, der dann auch pünktlich abfuhr. Kurz nach Birmingham aber ein unvorhergesehener Halt, kurz darauf die Information, dass sich jemand auf der Strecke vor einen Zug geworfen und die Polizei wegen Ermittlungen die Strecke gesperrt hatte. Also mussten wir zurück um über eine andere Strecke nach Norden zu fahren. In Crewe dann endgültiger Halt, da der Zug schon 90min Verspätung hatte und um den Fahrplan nicht weiter durcheinander zu bringen nach London zurückkehre. Wir mussten in den Folgezug einsteigen der aber schon nach 20 Minuten da war und auch genug Platz bot. So endete eine lange Reise am späten Abend in einem chinesischen Restaurant in das auch ein paar stockbetrunkene Liverpoolerinnen einfielen. Aber das ist eine andere Geschichte.



Gods own country