Trotzdem möchte ich ein paar Worte zum Spiel verlieren. Mit wenig bis gar keiner Erwartung angereist, waren wir mehr als positiv überrascht von der souveränen Leistung der Gunners und der Tatsache, dass wir für einige Minuten ernsthaft hoffen durften, das Unmögliche zu schaffen. Meiner bescheidenen Meinung nach, wird aber bei all dem Jubel der Tatsache, dass Bayern als sicherer Aufsteiger in das Spiel gegangen ist und dementsprechend uninspiriert agiert hat, viel zu wenig Beachtung geschenkt. Wie das 3:0 gegen Milan letztes Jahr, hat der Gegner nur so viel zugelassen, wie er zulassen konnte, auch wenn das fast in die Lederhose gegangen wäre. Muster ohne Wert halt. Vielleicht könnten wir beim nächsten Mal versuchen, in beiden Spielen die volle Leistung abzurufen. Ich weiß, ein geradezu revolutionärer Vorschlag, aber einen Versuch wäre es wert. Wenn wir die Leistung vom Mittwoch in den kommenden Ligaspielen wiederholen können, dann war München zumindest ein Wendepunkt. Keine drei Punkte heute in Wales, und es war (wieder einmal) nur das letzte Zucken eines Sterbenden.
Disclaimer: Kindern unter 18 Jahren und zartbesaiteten ist das Weiterlesen nur in Begleitung von Erwachsenen oder von staatlich geprüftem Pflegepersonal gestattet. Der folgende Text enthält Passagen über Sex, Drogen und ein bisschen Rock und Roll.
Ähnlichkeiten mit Personen des wirklichen Lebens sind so zufällig nicht.
Die
Hauptfiguren der folgenden Zeilen waren The Terrier und Jersey Boy,
bekannt aus dem Blogpost "Ist
ein Pint größer als ein halber Liter?", sowie als Neuling
in unsere Reihen: Leprechaun, ein Herzensbrecher von der grünen
Insel. Nach einer unterhaltsamen, aber an sich ereignislosen
Zugfahrt, noch ohne Jersey Boy, der derweil die Übernahme der
Weltherrschaft durch die Hochfinanz vorbereiten musste und daher
schon am Tag vorher gefahren ist, erreichten wir, das als Stadt
getarnte Dorf, München. Am Bahnhof wurden wir von Ciderman, Fred
Perry, Silent Bob, Barney Gumble und Sonnenschein (ein Mitreisender,
das Wetter war eher grau in grau) mit unseren Tickets und einem Sack
voll Chilli begrüßt. Ja der geneigte Leser hat richtig gelesen. Gegessen wurde es aber nicht, den zubereitet war es von einem Anhänger der Spurs worden und seit der Sache mit der Lasagne ist man in Nord London vorsichtig, was Lebensmittel vor Spielen betrifft.
Am Weg
in unser Hotel erfreute uns The Terrier mit Kommentaren über nicht
indigene Bürger, die uns entgegenkamen. Man weiß bei diesen
Engländern ja nie so recht, wie ernst etwas gemeint ist, aber
Leprechaun kam aus dem Kopfschütteln gar nicht mehr heraus. Wer weiß,
was passiert wäre, wenn er seine rekreativen Medikamente nicht dabei
gehabt hätte. Man muss allerdings sagen, dass The Terrier wie ein
nervender Kommentar bei einem Fußballspiel ist, den man nicht
abdrehen kam. Seine Stimme dröhnt jetzt noch in meinem Kopf, da er
seine Paperlatur nur in Ausnahmefällen geschlossen hält. So wurde
auch gleich das Zimmer ausführlich besprochen, negativ natürlich.
Das er gleich versuchte, den Fernseher (der nicht größer als ein
Ipad war) von der Wand zu reißen, überraschte dabei kaum jemanden.
Nächste
Station Augustiner Keller. Glücklicherweise war noch ein Tisch zu
finden, ansonsten war das beste Bierlokal Münchens voll mit
fröhlichen Gooners und einigen nicht ganz so fröhlichen Bayern
Fans, die ungläubig zur Kenntnis nahmen, eine Minderheit im eigenen
Revier zu sein. Wir begannen indessen, uns mental auf das Spiel
vorzubereiten. Köstliches Augustiner Bräu und Testobjekte an denen
man seine Fähigkeiten im zerlegen von Schweinen erproben konnte.
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Sau stechen |
Unser
Begrüßungskomitee stieß auch wieder zu uns, man hatte ein anderes
Hotel gebucht. Fred Perry war in seiner üblichen, großartigen,
Reiselaune und das erste und letzte, was wir für die nächste Zeit
von ihm hörten war: "Da ziagt's (was stimmte), da san so vüle
Leit (stimmte auch) und ich friß sicha net in ana depperten
Bierhalle!" Sprach's und verschwand. Er sollte später zufrieden
aus dem benachbarten Restaurant des Augustinerbräus zurückkehren.
Wir
erhöhten indes die Schlagzahl.
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Maß für Maß |
Schließlich
stießen auch noch die Jungen, die unter der Leitung von The MC mit
Autos aus Wien gekommen waren, zu uns. Das heißt eigentlich haben
sie nur Hallo gesagt und sind dann wieder verschwunden. Das ging den
restlichen Tag so weiter, wie Irrlichter, wenn man so will. Den Paten aus
dem wilden Osten, der ebenfalls mit dem Auto gekommen war und wie
üblich eine stattlich Zahl von Gefolgsleuten mitgebracht hatte,
hatten wir in der Zwischenzeit auch gefunden. Wir üblich wurde da
noch mit Karten gedealt. Ich half wo ich konnte, denn mit dem Paten
muss man es sich gut stellen.
Als
nächster stießen noch die Wirtsleut unseres neuen Stammpubs zu uns
und gemeinsam suchten wir das unvermeidliche Irish Pub auf, wo die
Wirtsleut eine Runde Guinness spendierten. Offenbar konsumieren wir
zu viel in ihrem Lokal. Auf dem Weg in das Pub begannen übrigens die
Kirchenglocken heftig zu läuten, was der Kanonier, an sich ein Mann
des Glaubens, zunächst nicht so richtig registrierte. Aber die
Wirtin stellte augenblicklich fest, dass muss für den neuen Papst
sein. Und tatsächlich, habemus papam. Was sollte an so einem Tag
noch schiefgehen?
Nach
dem Guinness war es jedenfalls Zeit, ins Stadion zu fahren. Auf dem
Weg dorthin haben wir Leprechaun
verloren, der irgendwann im
Laufe des Nachmittags einen glücklichen Grinser aufgesetzt hatte und
sich von da an nur mehr tanzend bewegte. Tja, so ein Auswärtstrip
fordert halt seine Opfer. Jersey Boy war immer noch nicht bei uns und
wollte direkt ins Stadion kommen. Weltherrschaft erlangen ist so
einfach nicht. Im Stadion angekommen, verteilten wir uns im Fanssektor
und harrten der Dinge, die da kommen sollten.
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Main Act! |
Die
Arsenal Fans machten Stimmung, die Bayern Fans saßen nur dumm rum
und wurden mit "Your support is f*****g s**t" auch
regelmäßig darauf hingewiesen. Kurz nach Anpfiff das erste Tor für
Arsenal, die Bayern Fans saßen noch dümmer rum und wir freuten uns
des Lebens. The Terrier wollte seine Freude mit dem Polizisten hinter sich teilen, bekam aber nur, den am Gürtel befestigten, Helm zu
fassen. Die Freude des Exekutivbeamten war enden wollend, aber
glücklicherweise konnte sich unser Althooligan noch zusammenreißen.
Kurz
vor Schluss dann das zweite Tor für The Arsenal. Die Bayern Fans
saßen mit vollen Hosen dumm rum und die Gooners glaubten an das
Wunder. Wenige Minuten später war der Spuk aber auch schon wieder vorbei.
Rückzug
in die Stadt. Jersey Boy hatte es in Stadion geschafft und wir
machten uns auf den Weg. Auf diesem hat der Kanonier auch was
gelernt. Althooligans verfallen immer wieder in alte
Verhaltensmuster. Nach einer Serie von freundschaftlichen Schlägen
auf den Rücken von The Terrier, konnte sich dieser nicht mehr
zusammenreißen und ich fand mich auf dem Boden wieder. Der Rest der
Truppe wirkte leicht geschockt. The Terrier entschuldigte sich wenig
später, aber klar war, für einen Machtwechsel im Rudel war es noch
zu früh. The Terrier rules, trotz seines fortgeschrittenen Alters!
In
der Stadt angekommen, begaben wir uns zurück in die Irish Bar. Wir,
das waren nur mehr die Bewohner dieses einen Zimmers und Barney, der
ständig an irgendwelchen Brezeln kaute, die er offensichtlich im
Augustinerkeller gemopst hatte (waren allerdings gratis, also kein
Fall für die Staatsanwaltschaft). Nach dem einen oder anderen weiteren
Bier (es gab wieder Augustiner) stellte man gegen ein Uhr die Sessel
auf die Tische, drehte das Licht auf und bot uns Plastikbecher für
das verbliebene Bier an. Mein Augustiner in einen Plastikbecher umleeren? Sonst geht's aber eh? Also hinunter mit dem Plunder, raus aus
dem Schuppen und die restliche Nacht verplanen. Barney war inzwischen
in sein Hotel gefahren und wir waren nur mehr zu viert. Ein Franzose
wollte uns seine Hilfe bei der Planung anbieten, aber dann zeigte er
uns nur seinen nackten Hintern mit seinem G-String. Auf unser Anraten tat er das dann
auch noch bei einer Gruppe junger Damen. Eigenartiges Völkchen diese
Franzosen!
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Ein Irish Pub, wie originell! |
Wir
zogen weiter, kamen zu einer Disco, aber Jersey Boy wollte keinen Zwölfjährigen beim Tanzen zusehen. Sonst eigentlich auch niemand,
also ließen wir uns von einem Rikschafahrer beraten. Die
mittelalterlichen Herrn in der Gruppe, entschieden sich für eine
Stripbar. Das Problem war also nicht beim Tanzen zuzusehen, sondern der Reifegrad der Damen. Und so erreichten wir, nach einer kurzen Fahrt, wobei die
Hälfte der Belegschaft zu Fuß daneben herging, respektive daneben herlief wie ein irischer Kobold, besagtes Nachtlokal.
Ich persönlich bin ja nicht so der Fan dieser Art von
Gruppenerlebnis, aber alleine nach Hause war auch keine Alternative.
Da saß ich also mit einem überteuerten Bier in der Hand,
bestaunte die Performances und dachte über Gott und die Welt nach (ich habe nie behauptet, dass ich normal bin!). Der eine oder andere (eigentlich
hauptsächlich einer) genossen das Gebotene etwas mehr, aber alles noch ihm Rahmen des Erlaubten. Irgendwie
hatten wir es schließlich geschafft, die Letzten im Lokal zu sein. Also Aufbruch und
draußen ins nächste Taxi. Das wurde von einer etwas eigenartigen
Frau gelenkt, die uns in ein noch übler beleumundeteres Lokal bringen
wollte. Zum Glück wollte das von uns niemand mehr und so ließen wir uns zu
den Klängen von AC/DC in voller Lautstärke, Richtung Hotel führen.
"Highway to Hell" entfaltet eine besondere Wirkung, wenn
man mitten in der Nacht, im Halbschlaf, mit überhöhter Geschwindigkeit
durch München driftet (driften im wahrsten Sinne des Wortes). Nach "TNT"
wurden wir zwar auf der Straße unseres Hotels ausgelassen,
aber es war immer noch ein Stück zu gehen. Jersey Boy kannte das Hotel ja nicht, das Feed Back von uns anderen, ob das unser Hotel ist, war offensichtlich unbrauchbar. The Terrier begann wieder zu
maulen, aber es half nichts. Ein paar Minuten Fußmarsch waren
notwendig, bevor wir unseren Schlafplatz erreichten. Der Kanonier
ging dann nicht über Los, kassierte keine 20.000,-- und begab sich direkt in
die Heija. Leprechaun
folgte etwas später, obwohl ich
davon nichts mehr mitbekommen habe.
Den
Auftritt des Terriers habe ich dann wieder mitbekommen, denn auch um sechs
Uhr in der Früh lief der Kommentar in unverminderter Lautstärke weiter.
Erst als er zu schnarchen begann hörte er auf zu Reden. Zum Glück
war ich komatös genug, um gleich wieder einzuschlafen.
Die
Tagwache verlief dann erstaunlich problemlos und zu den Klängen von
The Terrier und wie er die Welt sieht (E-Tube, scheint zum Beispiel
ein tolle Alternative zu YouTube zu sein) und seiner Sangeskünste: "I'm to sexy" inklusive Tanz im Feinrip, machten wir uns reisefertig.
Die Zugfahrt verbrachten wir mit dem Zusammentragen von Erinnerungen und den Fragmenten der Novelle, "The Terrier und das Leben". Der eine oder andere machte sich Sorgen um seinen Job, weil er die Frau des Chefs unter Alkoholeinfluss beleidigt hatte, aber am Ende hieß es: "Gut
ist es gegangen, nichts ist geschehen".
Und wenn sie nicht gestorben sind, saufen sie heute weiter! Happy St. Patricks Day!